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Gelenkschmerzen – Geschwollene Gelenke

Gelenkschmerzen entstehen, wenn die Gelenke unseres Körpers verletzungsbedingt, durch degenerative oder entzündliche Vorgänge in ihrer Funktion beeinträchtigt sind.

Definition

Gelenkschmerzen  sind häufig assoziiert mit einer Morgensteifigkeit, allgemeinen Müdigkeit, Bewegungsunlust und durch Schonhaltung bedingte Muskelschmerzen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken. Bei gravierender Symptomatik kann sogar eine Unterstützung von außen erforderlich werden, da viele Patienten alltägliche Bewegungen nur noch schwer oder nicht mehr ausführen können.

Synonyme

  • Schwellung Gelenke, Gelenkschwellung

Englisch: Joint pain

Überblick

Die Gelenke unseres Körpers (echte Gelenke, Diarthrosen) verbinden knöcherne Strukturen miteinander und ermöglichen uns in einem bestimmten Umfang Bewegungsausführungen. Sie bestehen aus jeweils zwei mit Knorpel (druckelastischem Bindegewebe) überzogenen Knochenflächen und dem dazwischen liegenden, mit Gelenkflüssigkeit (Synovia) gefüllten Spalt sowie einer umhüllenden Gelenkkapsel (Capsula articularis). Häufig benötigt ein Gelenk noch weitere anatomische Strukturen, um seine Funktion (großer Bewegungsumfang, Stabilisation, Belastungsfähigkeit) optimal zu erfüllen. Hierzu dienen z.B. bindegewebige Gelenktaschen (Aussackungen, Recessus), Schleimbeutel (Bursae) oder die Auflagefläche vergrößernde Strukturen (Diskus bzw. Meniskus articularis) sowie Bandstrukturen und Sehnen.

Im klinischen Erscheinungsbild sind Gelenkschmerzen häufig mit Symptomen wie Morgensteifigkeit, lokaler Überwärmung, und Rötung und Schwellung, einhergehend mit gesteigerter Druckempfindlichkeit, und Verlust des Bewegungsumfangs verbunden.

Allgemein kann man abnutzungsbedingte (degenerative) und entzündliche Gelenkerkrankungen unterscheiden. Davon sind Gelenkbeeinträchtigungen als Folge von Verletzungen abzugrenzen. Viele der entzündlichen Gelenkkrankheiten zählen zum Oberbegriff der rheumatischen Erkrankungen.

Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen:

  • Gelenkverschleiß, Gelenkdegeneration (Arthrose, Arthrosis deformans)
  • Gelenkentzündung (Arthritis), rheumatisch oder infektiös
  • Gelenkfehlbildung (Dysplasie)
  • Sekundäre Arthrose nach Verletzungen (posttraumatisch)

In einigen Fällen liegt ein kombiniertes Krankheitsbild der funktionellen Einheit Gelenk, Knochen, Bänder, Sehnen, Muskeln vor (Fibromyalgie).

Ursachen

Da es sich bei allgemeinen Gelenkschmerzen um eine relativ unspezifische Symptomatik handelt, bestehen eine Reihe von möglich ursächlichen Erkrankungen. Im Folgenden finden Sie eine Auflistung häufiger Krankheitsbilder:

Degenerative Gelenkserkrankungen (Arthrosen)

  • Degenerativer Gelenkverschleiß (Arthrose): Sie betrifft häufig ältere Menschen, da sich der Knochen im Laufe der Lebensjahre durch die permanente Beanspruchung abnutzt. Typisch ist ein progredienter Knorpelschwund bei charakteristischer Lokalisation in Knie- und Hüftgelenk (Gonarthrose, Coxarthrose) sowie den Wirbelkörpergelenken (Facettgelenksarthrose).
  • Gelenksüberlastung: Die Ausbildung einer Arthrose kann jedoch auch bei chronischer Überbelastung (Leistungssport, Übergewicht) auftreten. Am Fuß können (beispielsweise durch das Tragen von Absatzschuhen und zu enges Schuhwerk) folgende Gelenkveränderungen auftreten:
    • Hallux valgus
    • Krallenzehen, Hammerzehe
  • Verletzungsbedingte (posttraumatische) Arthrose: Meistens ist das Fuß-, Knie- und Schultergelenk betroffen. Bei Sportarten wie Skifahren oder Fußballspielen ist das Kniegelenk besonders gefährdet. Häufig kommt es dabei zu Rissen (Rupturen) der Kreuzbänder und Menisken. Das Schultergelenk wird meist bei Stürzen auf den Arm verletzt. Es kommt dabei oftmals zur Verrenkung oder zum Auskugeln (Luxation) sowie Gelenkkapselrupturen, Muskeln- und Sehnenrisse oder Nervenverletzungen.
  • Angeborene Gelenksmissbildung: Bei der Hüftdysplasie, der häufigsten angeboren Gelenksmissbildung, ist die Hüftpfanne zu klein für den Hüftkopf und kann ihn nicht umschließen. Bei der habituellen Patellaluxation verrutscht die Kniescheibe durch strukturell bedingte ungenügende Bandsicherung.

Gelenksentzündungen (Arthritiden)

  • Rheumatoide Arthritis (autoimmunologisch-entzündliche Gelenkserkrankung): Sie betrifft bevorzugt vor allem die Hand- und Fingergelenke und äußert sich in schmerzhaften entzündlichen Schüben, die jedoch in allen Gelenken vorkommen können.
  • Gelenkentzündungen (Arthritiden) durch oder nach Infektion: Diese können bei einer direkten Infektion des Gelenkes und über den Blutweg (hämatogen) erfolgen oder als Folge der Abwehrreaktion des Körpers gegen die ursprüngliche Infektion entstehen, wie bei:
    • Infektion der oberen Luftwege (reaktive Arthritis)
    • Zeckenbiss-Arthritis (Lyme-Arthritis)
    • Während Antibiotikatherapie: sogenannte „Chinolone“ können eine Akkumulation von Magnesiumionen im Gelenkspalt provozieren
  • Andere Gelenkentzündungen (Arthritiden): Diese können bei komplexen Krankheitsbildern ein wesentliches Begleitsymptom sein
    • Schuppenflechte (Psoriasis-Arthritis)
    • im Rahmen von Stoffwechselstörungen (Gicht, Diabetes mellitus)
    • bei genetischen Erkrankungen (Morbus Bechterew)
  • Pseudogicht: (Akkumulation von Calciumpyrophosphatkristallen, Chondrokalzinose)

Was Sie selbst tun können

Kontaktieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie bereits länger an oben genannter Symptomatik leiden oder plötzlich auftretenden starke Schmerzen oder Missempfindungen verspüren sowie Haltungsanomalien und Funktionseinschränkungen beobachten.

Hilfe durch den Spezialisten

Je nach Art der Symptomatik kann ausgehend von einem Gespräch mit Ihrem Arzt eine weitere detaillierte Diagnostik bei verschiedensten Fachmedizinern erfolgen. Hierzu gehören:

  • Orthopäden
  • Internisten
  • Sportmediziner

Was Sie bei Ihrem Arzt erwartet

Bevor Ihr Arzt mit einer Untersuchung beginnt, findet ein einführendes Gespräch (Anamnese) über Ihre aktuellen Beschwerden statt. Im Rahmen dessen befragt er Sie ebenfalls zu zurückliegenden Beschwerden und eventuell bestehenden Erkrankungen.

Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Seit wann bestehen die Symptome? Gab es ein auslösendes Ereignis?
  • Können Sie eine genaue Charakterisierung und gegebenenfalls Lokalisation vornehmen? Sind die Schmerzen bewegungsassoziiert?
  • Haben sich im Verlauf der Schmerzsymptomatik Veränderungen ergeben?
  • Leiden Sie unter zusätzlichen Symptomen, wie beispielsweise Muskelschmerzen, Müdigkeit, Morgensteifigkeit?
  • Litten Sie bereits schon einmal daran und sind diese Anzeichen familiär aufgetreten?
  • Bestehen aktuell Vorerkrankungen (beispielsweise eine Neigung zu hohen Harnsäurewerten, bestehendes Gichtleiden) oder Erbkrankheiten (Morbus Bechterew) und werden diese therapiert?
  • Nehmen Sie aktuell Medikamente ein?

Untersuchungen (Diagnostik)

Ausgehend von Ihrer in der vorangegangenen Anamnese erhobenen Symptomcharakteristik und Ihrem aktuellen Befinden kann der Arzt nun folgende Diagnostik anwenden:

  • Manuelle Untersuchung von Gelenkkontur, Funktionsumfang, Bandstabilität, Ausschluss paralleler Sehnenscheidenentzündungen (Tendovaginitis)
  • Begutachtung der gelenkführenden Muskulatur
  • Blutentnahme zur allgemeinen Statuserhebung, besonders im Hinblick auf Harnsäure und Entzündungswerte
  • Bildgebende Diagnostik: Röntgen, Computertomografie (CT) Magnetresonanztomografie (MRT)
  • Arthroskopie
  • Entnahme von Gelenksflüssigkeit (Punktion)

Behandlungen (Therapie)

Die Behandlung sowohl degenerativer als auch entzündlicher Gelenkserkrankung zielt zunächst symptom- und ursachenorientiert auf eine möglichst vollständige Schmerzfreiheit, die Reduktion der Entzündungssymptomatik, eine bestmögliche Wiedererlangung des ursprünglichen Bewegungsumfangs sowie auf die Vorbeugung von irreversiblen Gelenksdeformationen und –Verwachsungen ab. Additiv steht die Regeneration geschädigter Strukturen im Fokus der Therapie. Dies kann durch vielerlei Interventionsansätze realisiert werden. Hierzu zählen:

  • Im akuten Stadium zunächst eine mechanische Ruhigstellung und physikalische Maßnahmen wie Kühlung, bei Infektionen auch ggf. eine Gelenkspülung.
  • Symptom- und ursachenorientierte Medikamentengabe je nach Indikation. Hierzu zählen nichtsteroidale Antirheumatika (non-steroidal antirheumatic drugs, NSAD), Glukokortikoide (Cortison), zytostatisch wirkenden Substanzen sowie pflanzliche Präparate (Artischocken- und Weidenrindenextrakt), bei Infektionen auch Antibiotika.
  • Physiotherapeutische Maßnahmen wie Mobilisation, Muskelkräftigung, Dehnungsübungen und Koordinationsschulung
  • Orthopädisches Schuhwerk
  • Nahrungsergänzung oder Verbesserung der Resorption aus dem Darm, im Speziellen Calcium, die Vitamine D und B3 sowie Vitamin C, das zur Kollagenbiosynthese (essenzieller Bindegewebsbestandteil) benötigt wird
  • Ernährungsumstellung: Vermeidung purin- und xanthinhaltiger Nahrungsmittel wie Fleisch- und Wurstwaren, Bier, Kaffee und Wein sowie vermehrt basische Kost, um einer Übersäuerung des Organismus vorzubeugen
  • Operativ bestehen diverse orthopädische Eingriffsmöglichkeiten, wie beispielsweise die künstliche Gelenkversteifung (Arthrodese), eine Gelenkumstellung (Korrekturosteotomie) oder ein Gelenkersatz (Endoprothese) nötig sein. Daneben besteht die Möglichkeit der Knorpeltransplantation.

Vorbeugung (Prävention)

Der Gelenkknorpel ist ein sogenanntes „bradytrophes“, das heißt stoffwechselarmes, tendenziell Nährstoff-unterversorgtes Gewebe, das auf eine permanente Durchwalkung angewiesen ist. Durchwalkung bedeutet in diesem Falle eine häufige Kompression und Entspannung der Knorpelflächen, vorstellbar wie das Zusammenpressen eines Schwamms. Nur so können stets neue Nährstoffe eindringen und die die Gelenkstrukturen bildenden Zellen bleiben vital. Erreichen können Sie dies durch eine aktive Gestaltung Ihres Alltags. Benutzen Sie die Treppe, anstelle des Aufzugs, erledigen Sie kleinere Besorgungen mit dem Fahrrad oder unternehmen Sie allabendlich einen kleinen Spaziergang. Neben einer Stärkung der Muskulatur trainieren Sie so auch Ihr Herz-Kreislauf-System.

Ernähren Sie sich möglichst fleischarm und verzichten Sie weitestgehend auf Alkohol und Kaffee. Diese Nahrungsmittel enthalten Moleküle, die sich aufgrund ihrer Struktur leicht in den Gelenken anhäufen und ein Gichtleiden induzieren können.

Die Beibehaltung eines gesunden Normalgewichts kann bedeutend zu einer guten Gelenk- und Knochenkonstitution beitragen: Bei länger andauernder Mangelernährung stehen dem gesamten Organismus nicht ausreichend Nährstoffe zur Verfügung. Dementsprechend können die Knorpelflächen auch nicht genügend ernährt werden und sie degenerieren. Chronisches Übergewicht bewirkt eine übermäßige Beanspruchung an die lasttragenden Gelenkstrukturen und Knochen mit irreversiblem Materialverschleiß.

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