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Schwerhörigkeit - vermindertes Hörvermögen - Hypakusis

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Schwerhörigkeit ist eine naturgemäß vornehmlich mit zunehmendem Alter auftretende Einschränkung des Hörvermögens, die von leichter Differenzierungsschwierigkeit unterschiedlicher Tonfrequenzen oder vermindertem Richtungshören bis hin zu absoluter Gehörlosigkeit (Taubheit, Anakusis) reichen kann.

Definition

Schwerhörigkeit kann zudem akut einsetzen oder sich schleichend entwickeln. Man vermutet, dass bereits ca. 40% aller Jugendlichen unter 20 Jahre eine meist unbemerkte verminderte Hörfähigkeit entwickelt haben.

Synonyme und artverwandte Begriffe

  • Presbyakusis

Englisch: Hardness of hearing, amblyacousia

Überblick

Der menschliche Hörbereich liegt in einem Schallwellenfrequenzbereich von 20 bis 20.000 Hertz (Hz), wobei das Ohr in unserem Sprachbereich zwischen 500 und 3.000 Hz am empfindlichsten ist. Die Tatsache, dass wir überhaupt Töne, Laute und Geräusche wahrnehmen und differenzieren können, beruht auf einem fein abgestimmten System im Außen-, Mittel- und Innenohr, die von außen eintreffende Schallwellen in elektrische Signale transformieren können, die dann im Gehirn verarbeitet werden.

Die Lautstärke wird in Dezibel (dB) gemessen, dabei liegt die Schmerzgrenze bei circa 130 dB; die Schwelle, ab der Lautstärke jedoch bereits schädigend auf eben jene filigranen Strukturen wirkt, findet sich bereits bei circa 80-100 dB.

Bei der Entstehung von Geräuschen im menschlichen Ohr prallen zunächst die durch den äußeren Gehörgang (Meatus acusticus externus) ankommenden Schallwellen auf das Trommelfell (Membrana tympani). Dies ist eine feine Membran an der Grenze von Außen- zu Mittelohr, die dadurch in minimale Schwingungen versetzt wird. Diese überträgt sie anschließend auf die filigranen Knöchelchen des Mittelohrs (Hammer, Amboss, Steigbügel).

Durch ihre kettenförmige, winkelige Anordnung zueinander werden diese gegeneinander ausgelenkt. Über die Fußplatte des Steigbügelknochens werden diese Auslenkungen ebenfalls über eine Membran auf das sich in der seitlichen Schädelplatte befindende knöcherne Innenohrlabyrinth (Schnecke, Cochlea) übertragen. Dabei handelt es sich um eine spiralförmig aufgewickelte, flüssigkeitsgefüllte Röhre von circa 32mm Länge. Durch zwei Membranen wird die Ohrschnecke in drei Kompartimente unterteilt, die mit zwei unterschiedlichen Flüssigkeiten gefüllt sind. Diese können nun durch Aufnahme der Schwingungen die feinen Membranen wiederum in Oszillation versetzen. Zwischen den beiden Flüssigkeiten wird durch kontinuierlichen Ionentransport eine elektrische Spannung generiert, die die für die Reizaufnahme und -weiterleitung erforderliche elektrische Energie liefert. Die eigentlichen Rezeptoren sind die sogenannten inneren und äußeren „Haarzellen“, deren Nervenfasern in ihrer Gesamtheit schlussendlich den Hörnerv (Nervus cochlearis) bilden.

Funktionell bedeutsam ist ebenfalls die sogenannte Paukenröhre (Tuba auditiva, Eustachii´sche Röhre), die eine kurze Verbindung von Mittelohr zu Rachenraum darstellt und dem Druckausgleich, sowie Sekretabfluss dient.

Schwerhörigkeit allgemein kann nun durch eine Beschädigung, bzw. Verletzung (Läsion) einer oder mehrerer dieser Strukturen entstehen. Dabei unterscheidet man zwischen einer Schallleitungsschwerhörigkeit und einer Schallempfindungsschwerhörigkeit. Bei der Schallleitungsschwerhörigkeit, auch als Mittelohrschwerhörigkeit bezeichnet, liegt die Schädigung im Bereich der äußeren oder mittleren Ohrkompartimente. Im Rahmen der Schallempfindungs- oder Schallwahrnehmungsstörung (Innenohrschwerhörigkeit) sind Strukturen des Innenohrs oder zentral verarbeitende Gehirnareale nicht mehr voll funktionsfähig. Die Verminderung des normalen Hörvermögens stellt eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität Betroffener da, die häufig zu Missverständnissen und Isolationsgefühlen führt.

Ursachen

Da bei den beiden Formen von Schwerhörigkeit die Schädigungen an unterschiedlichen Stellen liegen, unterscheiden sie sich auch in Ihrer Entstehung (Pathogenese) voneinander.

Zu einer Schallleitungsstörung können führen:

  • Verstopfung des Gehörgangs durch einen Ohrenschmalzpfropf (Cerumen) oder Fremdkörper
  • Trommelfellriss
  • Vernarbung des Trommelfells mit Verlust seiner Schwingungselastizität
  • Versteifung der Ohrknöchelchen und deren Gelenke (Otosklerose)
  • Verwerfungen der Gehörknöchelchenkette durch Verletzungen (Schädelbruch)
  • Schleimhautschwellung und Verlegung durch Sekretstau bei MittelohrentzündungGeschwülste des Mittelohrs (Cholesteatom)Blutiger Mittelohrerguss (Paukenerguss)
  • Tubenverschluss, Tubenkatarrh (Verschluss der Eustachii’schen Röhre)

Ursachen einer Schallempfindungsstörung können sein:

  • Erblich bedingte Anlage- oder Entwicklungsstörungen wichtiger Strukturen
  • Frühkindlich erworben, beispielsweise durch Infekte im Mutterleib bei Toxoplasmose, oder Zytomegalie, durch Schädigung bei Geburt oder im Rahmen typischer Kinderkrankheiten, wie Mumps, Masern oder Röteln
  • Altersdegeneration (Presbyakusis) mit zunehmenden Verlust der äußeren oder inneren Haarzellen
  • Mittelohrentzündung (Otitis media)
  • Innenohrentzündung (Labyrinthitis)
  • Infektionskrankheiten (Tuberkulose, Herpes Zoster, Masern, Mumps, Hirnhautentzündung)
  • Ototoxische, also im Gehörsystem giftig wirkende Substanzen (Medikamente, Chemikalien)
  • Akutes und chronisches Schalltrauma, vor allem Lärmschwerhörigkeit durch Lärmexposition bei zu hohen Dezibelpegeln
  • Schädelbrüche oder Einblutungen (beispielsweise nach Unfällen)
  • Minderdurchblutung zentraler Areale (nach Schlaganfall)
  • Tumore des Hörnervs (Akustikusneurinom) oder des Gehirns
  • Akute Schwerhörigkeit (Hörsturz), häufig bei chronischer Stressbelastung
  • Morbus Menière (Menièr'sche Erkrankung)

Was Sie selbst tun können

Konsultieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Hörleistung habe sich deutlich vermindert, sie Schwierigkeiten im Richtungshören oder in der Feindifferenzierung bestimmter Tonfrequenzen haben. Dies sollte auch bei fehlendem Krankheitsgefühl oder Schmerzsymptomatik stets ärztlich abgeklärt werden. Bei blutigem, eitrigem oder klarem Flüssigkeitsaustritt auf den Ohren kann ein ärztlicher Notfall vorliegen! Handeln Sie in diesem Falle schnell.

Hilfe durch den Spezialisten

Je nach Spezifität der Symptomatik kann ausgehend von einem Gespräch mit Ihrem Arzt eine weitere detaillierte Diagnostik bei verschiedensten Fachmedizinern erfolgen.

Hierzu gehören:

  • Hals-Nasen-Ohrenarzt
  • Internisten
  • Neurologen
  • Psychiater, Psychosomatiker

Was Sie bei Ihrem Arzt erwartet

Bevor Ihr Arzt mit einer Untersuchung beginnt, findet ein einführendes Gespräch (Anamnese) über Ihre aktuellen Beschwerden statt. Im Rahmen dessen befragt er Sie ebenfalls zu zurückliegenden Beschwerden und eventuell bestehenden Erkrankungen.

Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Seit wann leiden Sie unter Ihren Symptomen? Gab es einen begünstigenden Faktor oder auslösendes Ereignis?
  • Hat sich die Symptomatik im Laufe der Zeit verschlechtert?
  • Leiden Sie unter weiteren Symptomen, wie motorischen oder sprachlichen Schwierigkeiten, Kopfschmerzen, Tinnitus, Schwindelgefühle oder fühlen Sie sich krank?
  • Beschreiben Sie Ihre Symptome genauer: ist Ihre Schwerhörigkeit generalisiert, oder betrifft sie nur bestimmte Frequenzen? Ist Ihr Richtungshören noch intakt?
  • Nehmen Sie derzeit Medikamente ein?
  • Leiden Sie unter psychischen oder seelischen Beeinträchtigungen?
  • Haben Sie häufig Stress oder fühlen sich überfordert?
  • Hören Sie häufig Musik über Kopfhörer?

Untersuchungen (Diagnostik)

Ausgehend von Ihrer in der vorangegangenen Anamnese erhobenen Symptomcharakteristik und Ihrem aktuellen Befinden kann der Arzt nun zunächst folgende grundlegende Diagnostik anwenden:

  • Äußerliche Inspektion
  • Ohrspiegelung (Otoskopie)
  • Weber- und Rinnetest, dies sind schmerzlose äußere Testungen mit einer vibrierenden Stimmgabel zur Unterscheidung einer Schallleitungs- oder Schallempfindungsschwerhörigkeit
  • Abstrichentnahme aus dem äußeren Gehörgang
  • Blutentnahme
  • Tonaudiogramm
  • Sprachaudiogramm
  • Messung otoakustischer Emissionen (Testung der äußeren Haarzellfunktion)
  • Messung des Mittelohrdrucks (Tympanometrie)
  • Hirnstammaudiometrie
  • Stapediusreflex-Test zur Überprüfung der Beweglichkeit der Gehörknöchelchen
  • Bildgebende Verfahren, insbesondere die Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) können selbst feinste Strukturen darstellen

Behandlungen (Therapie)

Schallleitungsstörungen können häufig gut behandelt und das Hörvermögen wieder weitestgehend hergestellt werden. Dabei werden Fremdkörper oder Ohrenschmalz durch Spülungen entfernt, Entzündungen können antibiotisch in Form von lokal wirksamen Tropfen oder systemisch wirksamen Tabletten behandelt werden. Ausgefeilte Operationsmethoden bieten die Möglichkeit, selbst kleinste Veränderungen des Mittelohrs, z.B. Wucherungen, eine beginnende Versteifung (Sklerosierung) der Ohrknöchelchen oder Trommelfellrisse zu beheben, strukturelle Defizite auszugleichen, sowie Implantate oder Prothesen einzusetzen.

Eine Schallempfindungsschwerhörigkeit lässt sich oftmals weder medikamentös noch operativ beeinflussen. Bei entzündungsbedingten Innenohrschäden kann unter Umständen eine sofortige antibiotische Behandlung oder Operation zumindest ein Fortschreiten der Schädigung verhindern. Der Funktionsverlust kann jedoch häufig mit sehr gutem Erfolg durch Verordnung eines Hörgerätes ausgeglichen werden. Bei völliger Taubheit kann ein Cochleaimplantat eingesetzt werden, sofern alle notwendigen nervalen Strukturen noch vorhanden sind.

Vorbeugung (Prophylaxe, Prävention)

Im Folgenden finden Sie einige Tipps, mit denen Sie ein gutes Hörvermögen lange aufrecht erhalten können und Verletzungen vorbeugen.

  • Vermeiden Sie dauerhafte Lärmexposition durch Musikbeschallung oder Geräuschkulissen. Begrenzen Sie die maximale Lautstärke Ihres Musikplayers auf 60-80 dB.
  • Reduzieren Sie bei sämtlichen Audiogeräten (Mp-3-Player, Fernsehgerät, Laptop, Musikanlage) konsequent die aktuelle Spiellautstärke. Anfangs wird Ihnen die Geräuschkulisse sehr leise vorkommen und sie müssen sich vermehrt bemühen zuzuhören. Dies verliert sich jedoch recht schnell und sie empfinden geringere Lautstärkepegel wieder als normal laut.
  • Am Arbeitsplatz sind Sie gesetzlich verpflichtet, ab einem Lautstärkepegel von mehr als 85 dB einen Hörschutz zu tragen.
  • Tragen Sie auf Konzerten oder in der Diskothek Ohrstöpsel und halten Sie sich möglichst nicht in der Nähe der Musikboxen auf. Auch bei der Arbeit mit Bohrmaschine, Rasenmäher, Staubsauger oder ähnlichem sollten Sie einen Ohrschutz verwenden.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Ohrhygiene. Benutzen Sie dazu bestenfalls warmes Wasser. Eine zu häufige Reinigung anhand von Ohrenstäbchen wirkt kontraproduktiv, da sie den gesunden Ohrenschmalz häufig nur festdrücken und nicht wirklich entfernen. Dadurch kann es im Laufe der Zeit zu einer Verstopfung des äußeren Gehörgangs kommen.
  • Gönnen Sie sich Pausen im Alltag und achten Sie auf ausreichen Entspannung. Der akute Hörsturz, sowie Tinnitusgeräusche sind klassische sogenannte Burnout-Symptome bei chronischer Stressbelastung und als deutliche Warnzeichen unseres Körpers zu verstehen.
  • Durch einen einfachen Hörtest können Sie Ihr individuelles Hörvermögen bestimmen lassen, um dadurch potenzielle Lärmsituationen besser einschätzen und präventiv handeln zu könne.

Prognose

Die Prognose einer Hypakusis ist abhängig von der Ursache. Kann die Ursache effektiv und rechtzeitig behandelt werden, so ist oftmals die Prognose gut. Ihr HNO-Spezialist kann Ihnen zu Ihrem Krankheitsbild präzise Auskunft geben.

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