Abort, Fehlgeburt

Kompetenzzentrum für Gynäkologie informiert: Abort, Fehlgeburt

Definition Abort, Fehlgeburt

Ein Abort ist für die Betroffenen ein belastendes EreignisFachärzte für Gynäkologie sprechen von einer Fehlgeburt, wenn die Schwangerschaft vor der 24. Schwangerschaftswoche endet, und der Embryo oder Fötus (lat. Fetus) weniger als 500 Gramm wog. Häufig macht sie sich durch eine vaginale Blutung oder durch Schmerzen im Unterbauch bemerkbar. In einem späteren Schwangerschaftsstadium kann auch Fruchtwasser abgehen.

Frauenärzte unterscheiden verschiedene Arten und Abläufe einer Fehlgeburt:

  • Drohende Fehlgeburt (Abortus imminens): Trotz einer vaginalen Blutung bzw. trotz Schmerzen im Unterbauch bleibt der Gebärmutterhals geschlossen, die Schwangerschaft kann fortgesetzt werden.
  • Abortus im Gange: Der Gebärmutterhals ist geöffnet, die Blutung stark, die Fehlgeburt kann vom Frauenarzt nicht mehr aufgehalten werden.
  • Inkomplette Fehlgeburt (Abortus incompletus): Der Embryo bzw. Fetus ist in der Regel abgestoßen, ein Teil des Mutterkuchens ist jedoch in der Gebärmutter verblieben.
  • Komplette Fehlgeburt (Abortus completus): Das Schwangerschaftsgewebe ist komplett abgestoßen, es sind keinerlei Reste mehr in der Gebärmutter verblieben.
  • Septische Fehlgeburt: Zusammen mit der Fehlgeburt (Abort) tritt eine Infektion in der Gebärmutter auf. Schmerzen, Übelkeit, Fieber, Schüttelfrost, eine vaginale Blutung oder ein Ausfluss können auftreten.
  • Verhaltene Fehlgeburt (Missed Abortion): Die Frucht ist abgestorben, wird aber nicht spontan durch eine vaginale Blutung ausgestoßen.
  • Wiederholte Fehlgeburt (Abortus habitualis): Davon wird ab der dritten Fehlgeburt gesprochen.

Als häufigste Ursache einer Fehlgeburt machen Fachärzte für Gynäkologie einen Fehler im Erbgut des Kindes aus. Dazu gehört insbesondere eine Trisomie. Bei dem Kind ist dann ein dreifacher, statt zweifacher Chromosomensatz vorhanden.

Synonyme und artverwandte Begriffe

Synonyme: Abgang, Abortus
Englisch: miscarriage, abortus, abortion

Überblick

Ein Abort ist für die Betroffenen ein dramatisches und schlimmes Ereignis. Er kommt sehr häufig vor und tritt vor allem in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft auf. Die klinisch erkannte Rate liegt zwischen 10 und 15 Prozent. Vermutlich ist die Zahl der Aborte jedoch weitaus höher, weil die meisten unbemerkt bleiben. Die Frauen hatten ihre Schwangerschaft noch nicht bemerkt und fassen die durch die Fehlgeburt ausgelöste Blutung als verspätete Menstruation auf. Im Verlauf der Schwangerschaft sinkt das Risiko immer weiter, dass der Embryo oder Fetus abstirbt und abgestoßen wird.

Nicht selten hat sich überhaupt kein Embryo entwickelt. Bei den frühen Aborten in den ersten acht Wochen der Schwangerschaft handelt es sich in den meisten Fällen um eine so genannte Abortivfrucht oder ein „Windei“. Obwohl die Anlage der Plazenta und Fruchthöhle auf eine Schwangerschaft hindeuten, kann der Frauenarzt in der Fruchtblase kein Kind erkennen. Die Eizelle ist nach der Befruchtung zwar in die Gebärmutter gewandert und hat sich dort eingenistet, aber die kindlichen Körperzellen wachsen nicht weiter, Organe und Extremitäten bilden sich nicht aus. Die Frucht stirbt irgendwann ab. Bei einer bereits festgestellten Schwangerschaft sind vaginale Blutungen sehr ernst zu nehmen und sollten unbedingt durch einen Facharzt für Gynäkologie abgeklärt werden. Sie können durch einen Abort ausgelöst worden sein, bedeuten aber nicht zwangsläufig, dass der Embryo oder Fetus abgestorben ist.

Ursachen des Aborts, der Fehlgeburt

Fachärzte für Gynäkologie machen viele verschiedene Ursachen für eine Fehlgeburt (Abort) aus. Dazu gehören:

  • Chromosomenstörungen der Eltern
  • numerische Aberration oder Chromosomenmutation
  • Fehlbildungen der Gebärmutter
  • Störungen bei der Blutgerinnung
  • Infektionen
  • hormonelle Störungen
  • Abstoßungsreaktionen der Mutter
  • Alter der Frau

Fachärzte für Gynäkologie vermuten, dass auch äußere Einflüsse, etwa ionisierende Strahlung (Röntgenstrahlen), aber auch Alkohol, Drogen und Medikamente Fehlentwicklungen des ungeborenen Kindes begünstigen bzw. auslösen können. Ein Mangel am Gelbkörperhormon Progesteron, das für die Erhaltung der Schwangerschaft notwendig ist, kann ebenfalls zu einer Fehlgeburt (Abort) führen. Ein höheres Lebensalter der Frau sowie eine extreme psychische Belastung sind weitere Risikofaktoren. Häufig sind es mehrere Ursachen, die zu einer Fehlgeburt (Abort) führen.

Was Sie bei einer Fehlgeburt (Abort) selbst tun können?

Bei Schmerzen im Unterbauch oder Blutungen sollten sie Ihren Frauenarzt sofort aufsuchen

Tritt bei Ihnen während der Schwangerschaft eine Blutung auf, sollten Sie sofort Ihren Frauenarzt aufsuchen. Auch bei Schmerzen im Unterbauch oder beim plötzlichen Wegbleiben der typischen Schwangerschaftsanzeichen wie Übelkeit und Spannungsgefühle in der Brust ist es ratsam, einen Facharzt für Gynäkologie zu konsultieren. Durch eine körperliche Untersuchung und durch eine Ultraschalluntersuchung kann er feststellen:

  • Ob die Schwangerschaft noch besteht
  • Ob die Schwangerschaft erhalten werden kann
  • Ob die Frucht bereits abgestorben ist
  • Um welche Form der Fehlgeburt (Abort) es sich handelt
  • Ob Medikamente gegeben werden müssen, um die Fehlgeburt (Abort) zu beenden
  • Ob eine Ausschabung (Kürettage) notwendig ist

Betroffene Paare und Frauen sollten sich nach einem Abort ausführlich mit einem Frauenarzt beraten. Häufig brauchen sie individuelle seelische und psychologische Unterstützung. Ihr Facharzt für Gynäkologie kann Ihnen Kontakte vermitteln, wo Sie weitere Hilfe finden.

Hilfe durch den Spezialisten

Je nach Spezifität der Symptomatik kann ausgehend von einem Gespräch mit Ihrem Arzt eine weitere detaillierte Diagnostik bei verschiedensten Fachmedizinern erfolgen. Hierzu gehören:

  • Gynäkologen
  • Chirurgen
  • Psychologen

Was Sie bei Ihrem Arzt für Gynäkologie erwartet?

Bevor Ihr Arzt für Gynäkologie mit einer Untersuchung beginnt, findet ein einführendes Gespräch (Anamnese) über Ihre aktuellen Beschwerden statt. Im Rahmen dessen befragt er Sie ebenfalls zu zurückliegenden Beschwerden und eventuell bestehenden Erkrankungen.

Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Seit wann bestehen die Symptome?
  • Können Sie eine genaue Charakterisierung und gegebenenfalls Lokalisation vornehmen?
  • Haben sich im Verlauf der Symptomatik Veränderungen ergeben?
  • Leiden Sie unter zusätzlichen Symptomen wie beispielsweise Atemnot, Schmerzen in der Brust, Schwindelgefühle
  • Litten Sie schon einmal daran und sind diese Anzeichen familiär aufgetreten?
  • Bestehen aktuell Vorerkrankungen oder Erbkrankheiten und werden diese therapiert?
  • Nehmen Sie aktuell Medikamente ein?
  • Sind Ihnen Allergien bekannt?
  • Leiden Sie unter Stresszuständen im Alltag?

Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?

Ihr Facharzt für Gynäkologie benötigt eine Übersicht der Arzneimittel, die Sie regelmäßig einnehmen. Stellen Sie schon vor dem Arztbesuch bei Ihrem Frauenarzt eine Übersicht über die Medikamente, die Sie einnehmen, in einer Tabelle zusammen. Eine Vorlage für die Übersicht finden Sie hier.

Untersuchungen (Diagnostik) durch den Gynäkologen

Die Ultraschalluntersuchung ermöglicht dem Frauenarzt eine genaue Diagnose

Ausgehend von der in der vorangegangenen Anamnese erhobenen Symptomcharakteristik und dem aktuellen Befinden kann der Facharzt für Gynäkologie nun folgende Diagnostik anwenden:

  • Körperliche Untersuchung
  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
  • Bestimmung des Beta-HCG-Wertes

Durch die Ultraschalluntersuchung stellt der Frauenarzt fest, ob der Embryo bzw. Fetus noch lebt oder bereits abgestorben ist. Nach einer vollständigen Fehlgeburt (Abort) ist die Gebärmutter leer und hat sich häufig schon wieder zusammengezogen. Bei einer unvollständigen Fehlgeburt (Abort) können dagegen noch Teile des Mutterkuchens in der Gebärmutter vorhanden sein. Diese werden dann vom Facharzt für Gynäkologie entfernt.

Behandlungen (Therapie)

Steht die Diagnose Fehlgeburt fest, wird der Frauenarzt mit Ihnen besprechen, ob eine weitere Behandlung (Therapie) erforderlich ist. Ist das Schwangerschaftsgewebe vollständig abgestoßen worden, reicht es oft aus abzuwarten, bis der Beta-HCG-Serumspiegel wieder bei null liegt. Beta-HCG ist ein Hormon, das von einem Teil der Plazenta während der Schwangerschaft gebildet wird. Es kann im Urin und Blut nachgewiesen werden.

Ist noch Schwangerschaftsgewebe vorhanden ist, wird der Facharzt für Gynäkologie die Fehlgeburt möglichst schnell zum Abschluss bringen, um Komplikationen für die Frau zu vermeiden. Infrage kommen:

  • medikamentöse Behandlung (Therapie) über mehrere Tage
  • kleiner chirurgischer Eingriff, eine Ausschabung (Kürettage)

Bei der Kürettage wird das restliche Schwangerschaftsgewebe unter Vollnarkose aus der Gebärmutter entfernt. In der Regel wird dazu ein Sauger oder Löffel verwendet.

Ist der Muttermund noch verschlossen und die Herztöne des ungeborenen Kindes sind zu hören, wird der Facharzt für Gynäkologie alles versuchen, um die Schwangerschaft zu erhalten. Bettruhe und ein stationärer Aufenthalt in einer Klinik sind dann erforderlich. Um die Wehentätigkeit zu unterdrücken, können Magnesium-Tabletten verordnet werden. Droht ein Abort nach der 22. Schwangerschaftswoche, werden vom Frauenarzt wehenhemmende Medikamente verabreicht. Ist die Frucht abgestorben, aber nicht abgestoßen worden, muss der Abort medikamentös eingeleitet werden. Danach wird eine Kürettage vorgenommen.

Vorbeugung (Prophylaxe, Prävention)

Eine Fehlgeburt wird meistens durch viele Faktoren ausgelöst. Häufig kann der Frauenarzt keine genaue Ursache feststellen. Um das Risiko einer Fehlgeburt zu verringern, sollten Sie auf eine gesunde ausgewogene Ernährung während der Schwangerschaft achten. Vermeiden Sie Stress, trinken Sie keinen Alkohol, rauchen Sie nicht und halten Sie den Genuss von Koffein niedrig.

Prognose

Viele Frauen, die einen Abort hatten, haben den Wunsch, schnell wieder schwanger zu werden. Das Risiko, das ungeborene Kind erneut zu verlieren, steigt, je häufiger die Schwangerschaft vorzeitig endet. Nach drei Fehlgeburten liegt das Risiko bei etwa 45%. Sprechen Sie mit Ihrem Frauenarzt, wie Sie mögliche Risiken vermeiden können.

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