Nierenversagen, Niereninsuffizienz, chronisch

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Definition Nierenversagen, Niereninsuffizienz, chronisch

Fachärzte für Urologie unterscheiden bei einem chronischen Nierenversagen (chronische Niereninsuffizienz) fünf Stadien:

  • Stadium I: Keine Beschwerden bei den Betroffenen, normaler Kreatinin-Spiegel im Blut, oft vermehrt Eiweiß im Urin, leichte krankhafte Veränderungen der Nieren
  • Stadium II: Gestörte Filterleistung der Nieren, in der Regel keine Auffälligkeiten im Blut
  • Stadium III: Erhöhter Kreatininwert im Blut, Harnstoff steigt an, Beschwerden wie Bluthochdruck, schnelle Ermüdung, Leistungsabfall
  • Stadium IV: Nierenfunktion ist deutlich verringert, stärkere Beschwerden treten auf, z.B. Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Juckreiz, Nerven- und Knochenschmerzen, Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • Stadium V: Nierenfunktion ist stark eingeschränkt oder völlig ausgefallen

Das Kriterium für die Einteilung ist die sogenannte glomeruläre Filtrationsrate (GFR). Dieser Laborwert gibt dem Urologen Auskunft darüber, wie stark die Nieren bereits geschädigt sind, wieviel Milliliter Blut sie pro Minute reinigen können und ob die herausgefilterten Stoffe über den Urin ausgeschieden werden. Im ersten Stadium liegt der Wert noch über 90 ml pro Minute, im fünften dagegen unter 15 ml.

Eine chronische Niereninsuffizienz verläuft schleichend, d.h. die Funktion des lebenswichtigen Organs wird über Jahre hinweg immer schlechter. Ist sie massiv eingeschränkt oder völlig ausgefallen, wird das Blut nicht mehr gereinigt.

Nun muss ein Nierenersatzverfahren, eine Dialyse, diese Funktion übernehmen. Ansonsten wird der Körper vergiftet. Es droht ein Organversagen, das zum Tod führen kann.

Synonyme und artverwandte Begriffe

Synonyme: chronische Nierenkrankheit, terminale Niereninsuffizienz
Englisch: chronic kidney failure

Überblick

Nierenversagen bedeutet, dass die Funktion der Nieren nachlässtDie Nieren sind lebenswichtig und leisten jeden Tag Schwerstarbeit. Sie reinigen das Blut und sind für die Wasserausscheidung verantwortlich. Im Körper entstehen durch den Stoffwechsel Abfallprodukte, die sogenannten harnpflichtigen Substanzen, die über den Urin ausgeschieden werden. Darüber hinaus haben die Nieren noch andere Aufgaben. Störungen ihrer Funktion beeinflussen viele Vorgänge im menschlichen Körper. Der Blutdruck, der Hormon- und Vitaminhaushalt sind dadurch beeinträchtigt.

Im frühen Stadium des chronischen Nierenversagens (chronische Niereninsuffizienz) kann die Behandlung (Therapie) des Facharztes für Urologie die weitere Zerstörung des Nierengewebes aufhalten oder zumindest hinauszögern. Dagegen ist im späten Stadium ein Nierenersatzverfahren, also eine Dialyse, unabdingbar.

Eine chronische Niereninsuffizienz äußert sich zunächst durch häufigen Harndrang und nächtliches Wasserlassen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung treten folgende Beschwerden auf:

  • die ausgeschiedene Urinmenge wird immer weniger
  • Wassereinlagerungen in Beinen, Händen und im Gesicht (Ödeme)
  • Müdigkeit und Leistungsabfall
  • Kopfschmerzen
  • Schmerzen in der Nierengegend
  • Durchfall, Übelkeit und Erbrechen
  • Erektionsstörungen bei Männern

Ohne Behandlung (Therapie) kann es zu einer lebensbedrohlichen Harnvergiftung (Urämie) kommen.

Ursachen des chronischen Nierenversagens, der chronischen Niereninsuffizienz

Der Facharzt für Urologie führt eine chronische Niereninsuffizienz (chronisches Nierenversagen) auf viele Ursachen zurück. Dazu gehören:

  • Ungesunde Lebensweise
  • Diabetes mellitus Typ II
  • Andere Nierenerkrankungen, z.B. chronische Nierenentzündung, Nierenbeckenentzündung, angeborene Fehlbildung der Nieren
  • Medikamente, vor allem Schmerzmittel
  • Bluthochdruck
  • Erkrankungen der Blutgefäße

Außerdem werden genetische Faktoren als Ursache vermutet. Nierenerkrankungen führen bei Männern nämlich häufiger zu einem chronischen Nierenversagen.

Was Sie bei chronischem Nierenversagen, chronischer Niereninsuffizienz selbst tun können?

Patienten mit einer chronischen Niereninsuffizienz sollten ihre Ernährung dem Zustand der Nieren anpassen. Insbesondere auf Eiweiß verzichten (Fleisch, Milchprodukte), weniger Salz und Phosphate (Käse, Nüsse, Fleisch) zu sich nehmen. Aus Sicht des Urologen sollten sie auch darauf achten, genügend Kalorien zu sich zu nehmen, d.h. 30 bis 35 kcal pro kg Körpergewicht. Der Tabakkonsum ist unbedingt einzustellen. Gehen Sie nach der Behandlung (Therapie) regelmäßig zur Nachsorge zu Ihrem Facharzt für Urologie.

Hilfe durch den Spezialisten

Je nach Spezifität der Symptomatik kann ausgehend von einem Gespräch mit Ihrem Arzt eine weitere detaillierte Diagnostik bei verschiedensten Fachmedizinern erfolgen. Hierzu gehören:

  • Urologen
  • Nephrologen

Was Sie bei Ihrem Arzt für Urologie erwartet?

Bevor Ihr Arzt für Urologie mit einer Untersuchung beginnt, findet ein einführendes Gespräch (Anamnese) über Ihre aktuellen Beschwerden statt. Im Rahmen dessen befragt er Sie ebenfalls zu zurückliegenden Beschwerden und eventuell bestehenden Erkrankungen.

Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Seit wann bestehen die Symptome?
  • Können Sie eine genaue Charakterisierung und gegebenenfalls Lokalisation vornehmen?
  • Haben sich im Verlauf der Symptomatik Veränderungen ergeben?
  • Leiden Sie unter zusätzlichen Symptomen wie beispielsweise Atemnot, Schmerzen in der Brust, Schwindelgefühle
  • Litten Sie schon einmal daran und sind diese Anzeichen familiär aufgetreten?
  • Bestehen aktuell Vorerkrankungen oder Erbkrankheiten und werden diese therapiert?
  • Nehmen Sie aktuell Medikamente ein?
  • Sind Ihnen Allergien bekannt?
  • Leiden Sie unter Stresszuständen im Alltag?

Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?

Ihr Facharzt für Urologie benötigt eine Übersicht der Arzneimittel, die Sie regelmäßig einnehmen. Stellen Sie schon vor dem Arztbesuch bei Ihrem Urologen eine Übersicht über die Medikamente, die Sie einnehmen, in einer Tabelle zusammen. Eine Vorlage für die Übersicht finden Sie hier.

Untersuchungen (Diagnostik) durch den Urologen

Der Urologe untersucht mittels Laboranalyse die Auscheidungsrate der NiereAusgehend von der in der vorangegangenen Anamnese erhobenen Symptomcharakteristik und dem aktuellen Befinden kann der Facharzt für Urologie nun folgende Diagnostik anwenden:

  • Körperliche Untersuchung
  • Laboruntersuchungen (Blut- und Urinuntersuchungen)
  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie)
  • Röntgen-Kontrastmitteluntersuchung
  • Computertomografie (CT)
  • Entnahme einer Gewebeprobe (Nierenbiopsie)

Behandlungen (Therapie)

Welche Behandlung (Therapie) bei der chronischen Niereninsuffizienz (chronisches Nierenversagen) infrage kommt, hängt vom Stadium der Erkrankung ab und von der Ursache. Wichtig ist, den weiteren Funktionsverlust der Nieren zu stoppen.

Der Facharzt für Urologie kann häufig konservativ behandeln, also nicht operativ. Liegt eine andere Grunderkrankung vor, etwa eine Nierenbeckenentzündung, verordnet er Antibiotika. Bei Diabetes mellitus muss der Blutzucker gut eingestellt werden, zu hoher Blutdruck wird medikamentös gesenkt.

Nierenschädigende Schmerzmittel und Röntgen-Kontrastmittel sind zu vermeiden. Möglicherweise können auch harntreibende Medikamente (Diuretika) verabreicht werden. Bei schweren Gewebeschädigungen kommt nur noch eine Dialyse oder eine Nierentransplantation in Betracht. Allerdings gibt es zu wenige Spendernieren. Nach der Transplantation muss der Empfänger dauerhaft Medikamente einnehmen, sogenannte Immunsuppressiva, damit das Spenderorgan nicht abgestoßen wird.

Vorbeugung (Prophylaxe, Prävention)

Durch eine gesunde Lebensweise können Sie einem chronischen Nierenversagen vorbeugen.

Fachärzte für Urologie machen insbesondere Bluthochdruck und Diabetes mellitus als Auslöser einer chronischen Niereninsuffizienz aus. Deshalb sollten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung achten.

Die Einnahme von Schmerzmitteln ist mit dem Hausarzt oder Urologen abzusprechen. Raucher sollten den Tabakkonsum sofort einstellen, weil Nikotin ein Nierenversagen begünstigt.

Schützen Sie außerdem Ihre Nieren vor Nässe und Kälte, um Erkrankungen zu vermeiden, die zu einer chronischen Niereninsuffizienz führen können.

Prognose

Solange eine chronische Niereninsuffizienz (chronisches Nierenversagen) noch nicht das Endstadium erreicht hat, kann der fortschreitende Verlust der Nierenfunktion durch eine entsprechende Behandlung (Therapie) des Facharztes für Urologie gestoppt werden. Unbehandelt kann sie lebensbedrohlich werden.

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