Sodbrennen – Gastroösophagealer Reflux

Annähernd jeder Mensch leidet gelegentlich unter Sodbrennen. Dies ist häufig aber lediglich auf die Einnahme zu heißer oder scharf gewürzter Speisen und Getränke zurückzuführen und nicht als krankhaft anzusehen.

Definition

Als Sodbrennen wird ein schmerzhaftes Brennen im Bereich der Speiseröhre (Ösophagus) in unmittelbarer Nähe zum Brustbein (Sternum) bezeichnet. Häufig strahlen sie Schmerzen dabei bis in den Brust-, Hals- oder Rachenraum aus, verstärken sich im Liegen und behindern den Schluckvorgang.

Synonyme und artverwandte Begriffe

  • Saures Aufstoßen
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (Gastroesophageal reflux disease, GERD)
  • Refluxösophagitis (Entzündung der Speiseröhre durch Magensäurereflux)

Englisch: Heart burn, gastroesophageal reflux disease (GERD)

Überblick

Tritt das brennende Gefühl jedoch gehäuft (zwei bis drei Mal pro Woche, vornehmlich nach Nahrungsaufnahme) auf, liegt möglicherweise eine gastroösophageale Refluxkrankheit (Gastrooeosophageal reflux disease, GERD). Dabei entsteht durch den Rückfluss von aggressiver Magensäure in die Speiseröhre zunächst eine unangenehme Schleimhautreizung, die sich in einer chronischen Speiseröhrenentzündung manifestieren kann. In diesem Zusammenhang spricht man dann von einer Refluxösophagitis, der Entzündung der Speiseröhrenschleimhaut durch wiederholten Kontakt mit saurem Mageninhalt.

Ursachen

Die grundlegende pathologische Ursache liegt in einem mangelhaften Verschluss des unteren Speiseröhrenschließmuskels (Kardiasphinkter, funktioneller Verschluss am beginnenden Magenabschnitt) häufig gepaart mit einer übersteigerten Magensäureproduktion. Zu hastiges Essen, fettige Speisen, Nikotin- und Koffeinkonsum, gepaart mit Stresszuständen im Alltag können wortwörtlich „schwer auf den Magen schlagen“, denn sie kurbeln die Magensäureproduktion stark an.

Seltener kann Sodbrennen auch durch einen Zwerchfellbruch (Hiatushernie), Schwangerschaft oder bei Medikamenteneinnahme verursacht werden. Im Rahmen der Arzneimittelnebenwirkung seien folgende Präparate genannt:

  • Kalziumkanalblocker („Blutdrucksenker“)
  • ß-Blocker (bei Herzerkrankungen)
  • Progestin (bei Menstruationsbeschwerden und im Rahmen der Geburtenkontrolle verordnet)
  • Anticholinergika (häufige „Anti-Brech-Mittel“ bei Seekrankheit)
  • ß2-Sympathomimetika (Bronchodilatatoren)
  • Trizyklische Antidepressiva
  • L-Dopa (bei Parkinson)
  • Benzodiazepine (gegen Schlaflosigkeit und Angstzustände)

Was Sie selbst tun können

Konsultieren Sie Ihren Arzt, wenn:

  • Sie akut gehäuft oder seit längerer Zeit an dem typischen Brennschmerz hinter oder unterhalb des Brustbeins leiden.
  • Sie blutig oder kaffeesatzartig erbrechen.
  • Sie Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Schlucken verspüren.
  • Ihr Stuhlgang rotbraun oder schwarz gefärbt ist.
  • Der Brennschmerz mit einem Druck in der Brustgegend einhergeht. Hier besteht die Möglichkeit, dass ein Herzinfarkt vorliegt. In diesem Falle handelt es sich um einen ärztlichen Notfall!
  • Sie ungewollt Gewicht verlieren.
  • Ein andauernder, trockener Reizhusten besteht.
  • Sie die Vermutung haben, dass Ihre Beschwerden mit einer Arzneimittelverordnung zusammenhängen. Beachten Sie jedoch, keinesfalls ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt die Einnahme Ihrer Medikamente zu beenden.

Hilfe durch den Spezialisten

Je nach Spezifität der Symptomatik kann ausgehend von einem Gespräch mit Ihrem Arzt eine weitere detaillierte Diagnostik bei verschiedensten Fachmedizinern erfolgen. Hierzu gehören:

  • Internisten, Gastroenterologen
  • Chirurgen
  • Kardiologen

Was Sie bei Ihrem Arzt erwartet

Bevor Ihr Arzt mit einer Untersuchung beginnt, findet ein einführendes Gespräch (Anamnese) über Ihre aktuellen Beschwerden statt. Im Rahmen dessen befragt er Sie ebenfalls zu zurückliegenden Beschwerden und eventuell bestehenden Erkrankungen.

Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Seit wann leiden Sie unter Sodbrennen? Litten Sie bereits schon einmal daran?
  • Wie lange dauern im akuten Zustand die Symptome an?
  • Können Sie die Symptome näher beschreiben? Strahlt der Schmerz in Kiefer- oder Armbereich aus? Verstärkt er sich im Liegen?
  • Leiden Sie unter weiteren Symptomen (Erbrechen, dunkle Stühle)?
  • Wie gestaltet sich Ihre tägliche Nahrungsaufnahme? Trinken Sie viel Kaffee, andere koffeinhaltige Getränke oder Alkohol? Nehmen Sie häufig fettige, stark gewürzte oder scharfe Speisen zu sich? Essen Sie häufig unterwegs in der U-Bahn, im Auto oder im Gehen?
  • Sind Sie häufig gestresst?
  • Rauchen Sie?
  • Bestehen aktuelle Vorerkrankungen (beispielsweise des Magen-Darm-Trakts oder bekannte Herz-/Lungenleiden) und werden diese therapiert?
  • Leiden Sie unter bekannten Allergien, vorzugsweise Lebensmittelallergien?

Untersuchungen (Diagnostik)

Ausgehend von Ihrer in der vorangegangenen Anamnese erhobenen Symptomcharakteristik und Ihrem aktuellen Befinden kann der Arzt nun folgende Diagnostik anwenden:

  • Speiseröhren- und Magenspiegelung (Endoskopie), evtl. mit Biopsie und Untersuchung auf Helicobacter pylori
  • Druckmessung in der Speiseröhre (Ösophagusmanometrie)
  • Blutentnahme

Behandlungen (Therapie)

Zunächst wird Ihr Arzt versuchen, Ihre Symptome mit Ihnen durch Entwicklung eines gemeinschaftlichen Konzepts zur Anpassung Ihrer Ess- und Lebensgewohnheiten sowie einer individuellen, säurereduzierten Diät zu lindern. Kaugummi soll durch eine erhöhte Speichelsekretion zu einer „Auswaschung“ der Magensäure in der Speiseröhre führen.

Sollte dieser Behandlungsansatz jedoch nicht zu einer Besserung Ihrer Beschwerden führen, können folgende Medikamente unterstützend eingenommen werden:

  • Zur Neutralisation der Magensäure: Antazida
  • Protonenpumpenhemmer (Omeprazol, Pantoprazol) zur Reduktion der Magensäureproduktion
  • Eradikationstherapie (Antibiotika und Protonenpumpenhemmer) bei positivem Test auf Helicobacter pylori

In einigen Fällen ist auch eine minimal-invasive rekonstruierende Operation des Kardiasphinkters indiziert.

Vorbeugung (Prävention)

Anhand unten genannter Maßnahmen und Tipps können Sie selbst Ihr Sodbrennen in den Griff bekommen. An erster Stelle steht hierbei die strikte Vermeidung von Lebensmitteln, die entweder an sich viel Säure enthalten oder die Säureproduktion steigern oder den Magen stark belasten. Hierzu gehören:

  • Alkohol
  • Koffeinhaltige und stark kohlensäurehaltige Getränke (Kaffee, Cola, Limonaden)
  • Süßigkeiten, insbesondere Schokolade
  • Saures Obst, wie Zitrusfrüchte und derartige Getränke
  • Scharfe oder stark gewürzte sowie sehr fettige Lebensmittel (Chili, Peperoni, frittierte Speisen, Mayonnaisen)
  • Geräuchertes und gegrilltes (Räucherlachs, Grillfleisch, Bratwurst)

Vermeiden Sie zusätzlich jegliches „To-Go-Essen“. Nehmen Sie sich Zeit für die Einnahme Ihrer Mahlzeiten, essen Sie langsam und bewusst, kauen Sie dabei sorgfältig. Dies fördert die optimale Einspeichelung der Nahrung bereits im Mund. Sie verspüren ein schnelleres Sättigungsgefühl, vermeiden, die Fassungskapazität Ihres Magens zu übersteigern und der Speisebrei kann die Verdauungsabschnitte besser passieren. Achten Sie stets auf eine angemessene Mahlzeitengröße: Ein stark gefüllter Magen drückt zusätzlich auf den Speiseröhrenschließmuskel und kann dessen Verschlusswirkung aufheben.

Die letzte Mahlzeit sollten Sie zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen einnehmen. So kann der Körper die Nahrung bereits gut verdauen und seine Magensäureproduktion zum Schlafenszeitpunkt herunterfahren. Zusätzlich können Sie mit leicht erhöhtem Oberkörper schlafen. Dadurch reduzieren Sie das Auftreten von Beschwerden im Liegen.

Übergewichtige sollten ihr Gewicht verringern, denn auch dies bedingt eine Kompression des Magens und kann zu Symptomen des Sodbrennens führen.

Reduzieren Sie Ihr Stresslevel: Autogenes Training, Yoga, Meditation oder die Progressive Muskelentspannung (nach Jacobsen) können Ihnen dabei helfen.

Prognose

Im Rahmen leichter und mittelschwerer Refluxkrankheiten sind die Heilungschancen bei medikamentöser Behandlung sehr gut. Die pathologische Ursache, die Schwächung des Schließmuskels zwischen Speiseröhre und Mageneingang kann jedoch nicht behoben werden, sodass die Symptomatik stets wiederkehren kann. Die Beschwerden können jedoch gut kontrolliert werden, wenn Sie oben genannte Verhaltens- und Ernährungstipps befolgen. In hartnäckigen Fällen ist eine medikamentöse Langzeittherapie oder eine Operation zu erwägen.

Bei einem kleinen Teil der Erkrankten kann sich ein sogenannter Barrett-Ösophagus manifestieren. Dies bezeichnet eine Umwandlung der Scheimhautarchitektur durch den wiederkehrenden Säureangriff, die die Entstehung von Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) begünstigen kann. Hier sind regelmäßige endoskopische Untersuchungen (Gastroösophagoskopie) indiziert.

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