Schnarchen – Rhonchopathie

Unter dem Oberbegriff des „Schnarchens“ fasst man die unangenehm störenden Geräusche, die bei Verlegung der oberen Atemwege eines schlafenden Menschen verursacht werden. <

Definition

Schnarchen ist häufig assoziiert mit mangelnder Sauerstoffversorgung während der Nacht, einer gestörten Schlafrhythmik sowie eingeschränkter Schlafqualität der Betroffenen.

Synonyme und artverwandte Begriffe

  • Schlafbezogene Atemstörung, Rhonchopathie (nach: International classification of sleep disorders, ICSD-2)
  • Upper airway resistance syndrome (UARS)
  • Obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom (OSAS)

Englisch: Snoring, rhonchopathia

Überblick

In der Schlafmedizin wird unterschieden zwischen dem kompensierten Schnarchen ohne wirklichen Krankheitswert und dem pathologischen obstruktiven Schnarchen mit deutlicher Beeinträchtigung der Schlafqualität des Betroffenen.
Durch eine räumliche Verengung im Mund- und Rachenbereich, kann die zirkulierende Atemluft nur erschwert ein- und ausströmen. Der dieser Verlegung und der Entstehung der typischen Geräuschcharakteristik zugrunde liegende Mechanismus kann dabei jedoch sehr variabel sein.
Während des Schlafes entspannt der Körper die Muskulatur. Auch das Gaumensegel sowie das Zäpfchen werden von feinen Muskelzügen kontinuierlich gespannt. Erschlaffen sie nun, wenn der Mensch in den Schlafzustand übergeht, kann es dazu kommen, dass sie durch die vorbeiströmende Atemluft in Schwingung gebracht werden und eine Art „Flattergeräusch“ entsteht. Auch die Zunge ist im Grunde ein großer Muskelbauch, dessen Lage und Form im Schlaf ebenfalls nicht mehr ausreichend kontrolliert werden kann. Häufig ist dabei die Körperposition während des Schlafens von entscheidender Bedeutung: In Rückenlage und bei geöffnetem Mund verlagert sie sich gen Rachenraum und verengt die Eintrittspforte in die Luftröhre.
Wird dabei die Sauerstoffzufuhr gravierend eingeschränkt, registriert dies der Körper, der Betroffene wacht nach Luft schnappend auf oder verändert seine Schlafposition. Dabei kann die gesunde Schlafzyklusarchitektur erheblich gestört werden, sodass sich Betroffene morgens häufig unausgeschlafen, abgeschlagen, gereizt und unerholt fühlen.
Das sogenannte „Obstruktive Schlaf-Apnoe-Syndrom“ (OSAS) bezeichnet das kurzzeitige Aussetzen rhythmischer Atemtätigkeit bedingt durch den vollständigen Zusammenfall der stützenden Rachenstrukturen. Dies kann bis zu 100 Mal pro Nacht mit einer Dauer von mehr als 25 Sekunden in Erscheinung treten und stellt eine deutliche Gefährdung für den Patienten dar, da zum einen eine kurzzeitige Sauerstoffminderversorgung (Hypoxie), als auch durch den anschließenden induzierten Adrenalinausstoß, besonders bei bereits herzkranken Patienten, kardiale Stresssymptome wie Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen oder Herzrasen auftreten können.
Langfristig steigt durch Unterbindung der gesunden Schlafarchitektur sowie der reflektorischen Stressreaktion das Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken. Insbesondere beim „Obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndrom“ (OSAS) leiden die Patienten an folgenden Symptomen oder Erkrankungen:

  • Unruhiger Schlaf mit Albträumen, häufiges Erwachen
  • Nachtschweiß
  • Häufiges nächtliches Wasserlassen
  • Morgendlichem Kopfschmerz
  • Tagesmüdigkeit mit Konzentrationsproblemen
  • Depressive Stimmungslage
  • Einnickneigung beim Lesen oder Fernsehen
  • Nachlassendes sexuelles Interesse und Impotenz
  • Nächtlichen oder früh-morgendlichen Blutdruckspitzen
  • Schlecht einstellbaren Diabetes mellitus
  • Herzinfarkt oder Schlaganfall mit unbekannter Ursache
  • Zwischenzeitliches (intermittierendes) Vorhofflimmern ungeklärter Ursache

Die Schlafapnoe ist eine über Jahre oder Jahrzehnte schleichend auftretende Erkrankung. Daher gewöhnen sich viele Patienten an Müdigkeit und schlechte Konzentrationsfähigkeit und nehmen das als ihre Normalität hin.

Ursachen

Im Folgenden finden Sie eine Auflistung potenzieller Ursachen für die Entwicklung von Schnarchlauten:

  • Infektionskrankheiten mit Einengung der oberen Atemwege (Schnupfen, Kieferhöhlenentzündungen)
  • Übergewicht
  • Alkoholkonsum
  • Allergische Reaktionen
  • Medikamenteneinnahme (Benzodiazepine, Beruhigungsmittel, Psychopharmaka)
  • Anatomische Variabilitäten im Gaumen-Rachenraum (Nasenscheidewandverkrümmung, Vergrößerung der Nasenmuscheln)

Was Sie selbst tun können

Konsultieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie durch Dritte auf Ihr Schnarchen hingewiesen werden, denn häufig bemerken Betroffene dies gar nicht selber. Sollten Sie zu nächtlichem Schwitzen, Luftnot und häufigem Erwachen neigen, oder womöglich durch das eigene Schnarchen geweckt werden, zögern Sie nicht und lassen Sie die zu Grunde liegende Ursache ärztlich untersuchen.

Hilfe durch den Spezialisten

Je nach Spezifität der Symptomatik kann ausgehend von einem Gespräch mit Ihrem Arzt eine weitere detaillierte Diagnostik bei verschiedensten Fachmedizinern erfolgen. Hierzu gehören:

  • Internisten
  • Chirurgen
  • Schlafmediziner
  • Pulmologen (Lungenfachärzte)

Was Sie bei Ihrem Arzt erwartet

Bevor Ihr Arzt mit einer Untersuchung beginnt, findet ein einführendes Gespräch (Anamnese) über Ihre aktuellen Beschwerden statt. Im Rahmen dessen befragt er Sie ebenfalls zu zurückliegenden Beschwerden und eventuell bestehenden Erkrankungen.
Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Seit wann ist Ihnen bekannt, dass Sie zum Schnarchen neigen?
  • Leiden Sie unter parallelen Symptomen, wie Luftnot, häufigem nächtlichen Erwachen mit Positionswechsel oder nächtlichen Schweißausbrüchen?
  • Rauchen Sie?
  • Wie häufig nehmen Sie alkoholische Getränke zu sich?
  • Bestehen aktuelle Vorerkrankungen und werden diese therapiert?
  • Nehmen Sie derzeit Medikamente ein?
  • Sind Sie Allergiker/-in?

Untersuchungen (Diagnostik)

Ausgehend von Ihrer in der vorangegangenen Anamnese erhobenen Symptomcharakteristik und Ihrem aktuellen Befinden kann der Arzt nun im Folgenden aufgelistete Diagnostik anwenden:

  • Sichtdiagnostik von Mund, Nase- und Rachenraum (Rhinoskopie, Endoskopie)
  • Messung der Vitalparameter (Herzfrequenz, Blutdruck, O2-Gehalt des Bluts)
  • Allergietestung
  • Messung der elektrischen Herzaktivität (Elektrokardiogramm, EKG) während des Schlafs (Langzeit-EKG). Diese kann ambulant durchgeführt werden.
  • Messung des Blutdrucks während des Schlafs (Langzeit-Blutdruckmessung). Diese kann ambulant durchgeführt werden.
  • Langzeitregistrierung der Atmung. Diese kann ambulant durchgeführt werden.

Im Rahmen einer Schlaflaboruntersuchung in der Klinik wird eine sogenannte Polysomnographie durchgeführt:

  • EEG (Elektro-Enzephalogramm, d.h. Ableitung der Hirnströme)
  • EOG (Elektro-Okulogramm, d.h. Ableitung der Augenmuskelbewegungen)
  • EMG (Elektro-Myogramm, d.h. Muskelaktivitätsmessung)
  • Nasenfühler (registriert den Luftstrom)
  • Kehlkopfmikrophon (erfasst Schnarchgeräusche)
  • Lagefühler (registriert die Körperlage)
  • EKG (Elektrokardiogramm überwacht die Herzaktion)
  • Atemgurte (registrieren die Atembewegungen)
  • Sauerstoffsensor (überwacht den Sauerstoffgehalt im Blut)
  • Richtmikrophon (registriert die Atemgeräusche)
  • Infrarot-Videoüberwachung

Behandlungen (Therapie)

Neben den unten aufgeführten von Ihnen selbst durchführbaren Maßnahmen, kann der Arzt durch operative Eingriffe versuchen, die Verlegung der Atemwege zu beseitigen und die reibungsfreie Luftströmung wiederherzustellen. Über das genaue Verfahren wird Ihr HNO-Chirurg Sie gerne aufklären.
Bei infektiösen Kiefer- und Nasennebenhöhlenentzündungen kann je nach Ausmaß der Entzündungsreaktion und auf Basis vorangegangener Diagnostik eine medikamentöse Therapie mit schleimlösenden Mitteln, Antibiotika oder Kortikosteroiden (Cortison) angewandt werden. Parallel dazu können desinfizierend wirkende Kieferhöhlenspülungen oder Dampfinhalationen helfen, Eiter- oder Schleimansammlungen zu entfernen.
Logopädisch kann ein gezieltes Muskeltraining dazu beitragen, der vollständige Muskelerschlaffung während des Schlafens entgegenzuwirken.

Vorbeugung (Prävention)

Durch einige einfache Möglichkeiten können Sie versuchen, Ihr Schnarchen zu mildern:

  • Verändern Sie Ihre Schlafposition, lagern Sie dazu den Kopf hoch und vermeiden Sie die Rückenlage. Eine zu tiefe Position kann das Anschwellen der Nasenschleimhäute begünstigen und in Rücklage klappt häufig das Gaumensegel nach hinten.
  • Alkohol, Medikamente: Vermeiden Sie jeglichen Alkoholkonsum 3-4 Stunden vor dem Zubettgehen. Alkohol und die Einnahme von entspannenden, Schlaf fördernden Pharmaka (Schlaf-, Beruhigungsmittel) unterstützen die Muskelrelaxation und begünstigen damit die Verlegung der oberen Atemwege.
  • Übergewicht: Da sich Fett grundsätzlich in nahezu allen Körperpartien anreichert, kommt es auch bei starkem Übergewicht (Adipositas) zu einer Einengung der Luftstrombahn durch Unterhautfetteinlagerungen. Übergewichtige sollten daher eine deutliche Gewichtsreduktion anstreben.
  • Allergien: Insbesondere Hausstaubmilben oder die Bettfederallergie machen sich nachts bemerkbar. Hier besteht die Möglichkeit auf antiallergische Füllungsmaterialien auszuweichen. Achten Sie darauf, dass die Bettwäsche alle 5-6 Tage gewechselt und bei 90°C gewaschen wird. Je nach Schwere Ihrer Allergie kann die Anwendung einer Hyposensibilisierungstherapie bedacht werden.
  • Um den Mund in geschlossener Position zu fixieren, können Schnarchbandagen oder Schnarchbinden, bestehend aus Elastikgurten, um den Unterkiefer angebracht werden. Diese sind in Apotheken erhältlich. Sogenannte „Mundvorhofplatten“ oder Kieferschienen werden zwischen die Zahnreihen eingesetzt und verhindern ebenfalls den Mundschluss.

Prognose

Schnarchen mit Atemstopp als Ausdruck des Obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndroms (OSAS) ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Die Patienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Kreislauferkrankungen (Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Herzinfarkt, Schlaganfall), Stoffwechselstörungen (Diabetes, meist vergesellschaftet mit Übergewicht) sowie für schwere psychische Erkrankungen (Depression).

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