Schmerzen beim Wasserlassen – Algurie

Schmerzen beim Wasserlassen - Urinanalysis - Blut im UrinUnter dem Oberbegriff der Miktionsbeschwerden fasst man Schmerzen, Brennen oder Jucken beim Wasser lassen, meist vergesellschaftet mit Entleerungsstörungen der Blase (Dysurie), zusammen.

Definition

Die Ursache ist oft multifaktoriell. Am häufigsten sind entzündliche Erkrankungen des ableitenden Urogenitaltrakts, bestehend aus Harnleiter (Ureter), Harnröhre (Urethra) oder der Harnblase (Vesica urinaria). Die Nieren als urinproduzierende Organe können sekundär mitbetroffen sein.

Synonyme

  • Algurie

Weitere verwandte Begriffe

  • erschwerte Harnentleerung: Dysurie
  • häufiges Absetzen kleiner Harnmengen: Pollakisurie
  • stark erschwertes, schmerzhaftes Wasserlassen: Strangurie

Englisch: Painful urination, dysuria

Überblick

In den paarig angelegten Nieren werden täglich ca. 180 Liter Flüssigkeit (sogenannter „Primärharn“) aus dem durchströmenden Blut filtriert. Durch hochspezifische Rückresorptionsmechanismen von lebenswichtigen Elektrolyten, Glucose und Wasser wird dieser noch innerhalb der beiden Organe auf ungefähr 1,8 Liter reduziert. Dieser „Sekundärharn“ besteht hauptsächlich aus Harnsäure und toxischen, ausscheidungspflichtigen Stoffwechselmetaboliten sowie Wasser. Über die aus den Nieren hervorgehenden Harnleiter (Ureter) fließt der Urin dann in die Harnblase. Dieses Hohlorgan liegt vorne unten der Bauchwand an und dient der vorübergehenden Speicherung des Urins.
Ab einer Füllmenge von bereits 200-300 ml wird von Dehnungsrezeptoren der Harnblasenwand aufkommender Harndrang signalisiert. Durch die männliche bzw. weibliche Harnröhre (Urethra masculina/feminina) wird der Harn anschließend abgeleitet und ausgeschieden. Der eigentliche Miktionsvorgang ist ein steuerungstechnisch hochkomplexer Vorgang und wird über ein feines Nervengeflecht im Becken (Plexus sacralis), dem Rückenmark und letztlich dem Gehirn geregelt.

Ursachen

Im Großteil der Fälle (95-98%) sind Schmerzen und Brennen beim Urinieren entzündlich bedingt. Für diese Harnwegsinfekte (HWI), die häufig zusammen als Blasenentzündung (Zystitis) und Harnröhrenentzündung (Urethritis) auftreten, sind Frauen aufgrund ihres natürlichen anatomisch kurzen Aufbaus anfälliger als Männer. Erreger können hier leichter durch die Harnröhre aufsteigen. Meist ist hierfür eine Schmierinfektion durch Darmbakterien verantwortlich.
Beim Mann besteht anatomisch die Besonderheit, dass die Harnröhre sowohl als Harn- als auch Ejakulat ableitende Struktur dient. Dadurch können sich Infektionen der Harnröhre in die Hoden, Nebenhoden oder die Sexualdrüsen (Prostata, Bläschendrüsen, Cowper-Drüsen) ausweiten. Bei sexuell aktiven Männern kann die zugrundeliegende Infektion beim Verkehr übertragen werden. Häufige Keime bei sexuell übertragbaren Erkrankungen (sexual transmitted disease, STD) des Urogenitaltrakt sind Chlamydien, Neisserien (Tripper, Gonorrhöe), Treponemen (Syphilis) und Pilze (Mykose).
Auch mangelnde oder übersteigerte Intimhygiene, die den schützenden pH-Wert der Intimregion zerstören und das Wachstum von Bakterien oder Pilzen (Mykose) begünstigen, können Ursache für einen Harnwegsinfekt und somit für Miktionsstörungen sein.
Bei Behandlungen mit Antibiotika, Zytostatika oder immunsupprimierenden Substanzen kann ebenfalls eine Störung der natürlichen Intimflora entstehen und pathogenen Keimen eine Besiedlung ermöglichen.
Die am häufigsten nachgewiesenen Erreger bei Harnwegsinfekt sind:

  • Escherichia coli (natürliches Darmbakterium)
  • Andere Enterobakterien wie Klebsiellen oder Proteusarten sowie diverse Entero- oder Staphylokokken
  • Chlamydien (Chlamydia trachomatis)
  • Gonorrhöe-Bakterien (Neisseria gonnorhoe)
  • Candida albicans (Hefepilz)

Man grenzt dabei die unkomplizierten, die Harnblase und Harnröhre betreffenden Infekte (Zystourethritis) von den komplizierten Infekten, bei denen sowohl die Harnwege als auch die Nieren (Pyelonephritis) infiziert sein können, ab.
Je nach dem, wie weit der Infekt bereits aufgestiegen ist gestaltet sich die Symptomatik klinisch dabei sehr variabel: Schmerzen wie Brennen und Jucken beim Wasserlassen sind relativ unspezifisch und treten sowohl bei Harnröhren-, als auch Harnblasenentzündung auf, die charakteristischerweise von einem erhöhten Harndrang bei mengenmäßig vermindertem Absetzen (Pollakisurie) sowie dem Gefühl der unvollständigen Entleerung begleitet sind. Eitrige (Pyurie) oder blutige (Makrohämaturie) Beimengung im Urin können ebenfalls möglich sein.
Äußerliche Berührungsempfindlichkeit der Haut und Fieber deuten auf einen schwereren bereits gegen die Nieren aszendierten Infekt hin. Je nach Mitbeteiligung und Lokalisation können assoziierte Symptome wie Bauch- oder Unterleibsschmerzen, bei Mitbeteiligung der Prostata häufig ausstrahlend in die Dammregion, vorkommen.

Neben diesen infektiösen Ursachen werden folgende Faktoren als potenziell ursächlich für eine schmerzhafte Harnentleerung angesehen:

  • Hindernis (Obstruktion) in den ableitenden Harnwegen:
    • Konkremente (Steine)
    • Tumoren der Prostata oder Harnröhre
    • Ureterabknickung
    • Ureterozele
    • Prostataabszesse (Hypertrophie, Hyperplasie)
    • Missbildungen (beispielsweise Vernarbungen, d.h. Strikturen oder Einengungen, d.h. Stenosen)
    • Fremdkörper wie Drainagen oder Katheter
  • Infektionen der Geschlechtsdrüsen (Prostatitis, Spermatozystitis)
  • Entzündung der weiblichen inneren Geschlechtsorgane (Vaginitis, Adnexitis)
  • Urineinflussstörung in die Harnblase oder Rückfluss in die Harnleiter, d.h. Ureteren (vesikouretraler Reflux, VUR)
  • Alters- oder geburtsbedingter Gebärmuttervorfall (Uterusprolaps)
  • Verletzungen der Harnröhre oder Blase
  • Diabetes mellitus
  • Morbus Reiter
  • Nach operativer oder diagnostischer Intervention (Harnblasenkatheter, Zystoskopie)
  • Schwangerschaft
  • Neurologisch funktional-vegetative Dysregulation
  • Reizblasensyndrom

Was Sie selbst tun können

Eine Infektion der ableitenden Harnwege sollte dringend ärztlich abgeklärt und therapiert werden. Im Verlauf kann die Infektion durch progredientes Aufsteigen entlang der Harnleiter (Ureteren) auch das Nierenbecken (Pyelon) und die Nieren befallen und zu einem gefährlichen Funktionsverlust dieser lebenswichtigen Entgiftungsorgane führen.
Ein Übertritt in die Blutbahn (Urosepsis) ist ebenfalls möglich.
Sollten Sie häufiger oder akut unter oben genannter Symptomatik leiden, Blut beziehungsweise eitrige Klümpchen oder Streifen im Urin bemerken, suchen Sie bitte Ihren Arzt auf.

Hilfe durch den Spezialisten

Je nach Spezifität der Symptomatik kann ausgehend von einem Gespräch mit Ihrem Arzt eine weitere detaillierte Diagnostik bei verschiedensten Fachmedizinern erfolgen. In diesem Falle ist der Urologe der Ansprechpartner für Männer, Frauen sollten ihren Gynäkologen aufsuchen.

Was Sie bei Ihrem Arzt erwartet

Bevor Ihr Arzt mit einer Untersuchung beginnt, findet ein einführendes Gespräch (Anamnese) über Ihre aktuellen Beschwerden statt. Im Rahmen dessen befragt er Sie ebenfalls zu zurückliegenden Beschwerden und eventuell bestehenden Erkrankungen.
Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Seit wann haben Sie die Beschwerden?
  • Können Sie eine genaue Charakterisierung und gegebenenfalls Lokalisation vornehmen?
  • Wie häufig suchen Sie die Toilette auf und wie würden Sie Ihre Harnentleerung beschreiben?
  • Leiden Sie unter nächtlich vermehrtem Harndrang (Nykturie)?
  • Haben Sie Blut oder sonstige Veränderungen im Urin bemerkt?
  • Haben sich im Verlauf der Symptomatik Veränderungen ergeben?
  • Leiden Sie unter zusätzlichen Symptomen, wie beispielsweise Fieber, Rücken- oder Bauchschmerzen, Defäkationsschmerzen, allgemeinem Krankheitsgefühl?
  • Litten Sie bereits schon einmal daran und sind diese Anzeichen familiär aufgetreten?
  • Bestehen aktuell Vorerkrankungen (bekanntes Steinleiden, Diabetes mellitus, Fehlbildungen) oder Erbkrankheiten und werden diese therapiert?
  • Sind in vergangener Zeit Eingriffe am harnableitenden System vorgenommen worden?
  • Nehmen Sie aktuell Medikamente ein?
  • Sind Ihnen Allergien bekannt?
  • Leiden Sie unter Stresszuständen im Alltag?

Untersuchungen (Diagnostik)

Ausgehend von Ihrer in der vorangegangenen Anamnese erhobenen Symptomcharakteristik und Ihrem aktuellen Befinden kann der Arzt nun folgende Diagnostik anwenden:

  • Manuelle Untersuchung der unteren Bauchregion
  • Blutentnahme zum mikrobiologischen Erregernachweis und allgemeinen Statuserhebung (zelluläre Zusammensetzung, Entzündungsparameter, Leber- und Nierenfunktion, Glucosespiegel, Prostata-spezifische Werte)
  • Urinuntersuchung
  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie)
  • Blasenspiegelung (Zystoskopie)
  • Röntgenuntersuchung
  • Manuelle Prostatauntersuchung von rektal
  • Computertomografie des Bauchraums (Abdomen-CT)
  • Intravenöses Urogramm mit Miktionszysturethrogramm (nur bei Rezidiven und Therapieresistenz)
  • Urodynamometrie bei Verdacht auf distale Urethralstenose (nur bei häufigen Rezidiven)

Behandlung (Therapie)

In enger Absprache mit Ihnen kann der Arzt symptomatisch zunächst eine Schmerzminderung durch Wärmeapplikation, Analgetika und Antiphlogistika (schmerz- und fiebersenkende Medikamente) sowie eine Entspannung der verkrampften Bauchwandmuskulatur durch Spasmolytika erreichen. Eine erhöhte Trinkmenge (mindestens 2 Liter), vorzugsweise von antientzündlich, harntreibend wirkenden Tees bewirkt eine erhöhte Urinproduktion, sodass die Erregerkeime ausgeschwemmt werden können.
Kausal kann der Arzt parallel folgende Arzneimittelklassen einsetzen:Schmerzen beim Wasserlassen - Tee mit Brennessel - Naturmedizin

  • Antibiotika (gegen bakterielle Infekte, Chlamydien-Infekte)
  • Antimykotika (bei Pilzbefall)
  • Virustatika (bei sehr selten auftretender viraler Infektion)
  • Pflanzliche Präparate wie Bärentraubenextrakt oder Brennesselpräparate

Chirurgisch kann in Abhängigkeit von der Diagnose möglicherweise ebenfalls interveniert werden.

Vorbeugung (Prävention)

Da Harnwegsinfekte meist bakteriell bedingt sind, ist durch kleine Verhaltensmaßnahmen oftmals schon eine gute Prävention möglich:

  • Achten Sie beim Toilettengang auf die richtige Richtung der Papierbenutzung: Von vorne nach hinten. So können keine Darmbakterien versehentlich gegen den Harnröhrenausgang übertragen werden.
  • Tragen Sie atmungsaktive, luftdurchlässige Unterwäsche.
  • Sollten Sie unter Inkontinenz leiden, achten Sie darauf, Unterwäsche, Einlagen oder Windeln ausreichend häufig zu wechseln.
  • Achten Sie auf eine gesunde Intimhygiene: regelmäßig, aber nicht übertrieben bestenfalls mit klarem Wasser waschen. Verzichten Sie auf Intimlotionen und –sprays.
  • Schützen Sie sich vor Unterkühlung in den kalten Jahreszeiten und achten Sie auf warme Hände und Füße
  • Seien Sie achtsam beim Geschlechtsverkehr mit Ihrem Partner
  • Vermeiden Sie Pingpong Infektionen durch zeitgleiche Partnerbehandlung, wenn dieser unter den gleichen Symptomen leidet.
  • Bei wiederholten Infektionen ohne erkennbare organische Ursache sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Partner Ihren Spezialisten aufsuchen.

Prognose

Unter geeigneter Therapie verlaufen Harnwegsinfektionen meist relativ unkompliziert. Die Schmerzsymptomatik lässt häufig schon nach circa zwei Tagen nach und Ihre Toilettengänge normalisieren sich. Sie sollten jedoch verordnete Medikamente in diesem Fall über die bestehende Symptomatik hinaus einnehmen, um eine Reinfektion oder bakterielle Resistenzentwicklung zu vermeiden.
Bei strukturellen oder topografischen Veränderungen kann Ihnen Ihr Arzt je nach Diagnose genauere Hinweise zur Heilungsprognose geben.
© CHHG