Angina, Mandelentzündung, Tonsillitis

Kompetenzzentrum für HNO (Hals-Nasen-Ohrenheilkunde) informiert: Angina, Mandelentzündung, Tonsillitis

Definition Angina, Mandelentzündung (Tonsillitis)

Fachärzte für HNO unterscheiden bei der Angina, Mandelentzündung zwischen einer

  • akuten Angina, Mandelentzündung (akute Tonsillitis)
  • chronischen Angina, Mandelentzündung (chronische Tonsillitis)

Die akute Form ist eine ansteckende Entzündung der Gaumenmandeln (Tonsillen). Meistens wird sie durch Bakterien ausgelöst, vor allem Streptokokken, manchmal auch durch Pneumokokken, Staphylokokken oder Haemophilus Influenza.

Schluckbeschwerden und Halsschmerzen sind Symptome einer MandelentzündungSind Viren der Auslöser, geht die Angina, Mandelentzündung (Tonsillitis) häufig mit einer Erkältung oder einem viralen Infekt einher. Spezielle Formen sind die Herpangina und das Pfeiffersche Drüsenfieber.

Bei der akuten Angina oder Mandelentzündung (akute Tonsillitis) vermehren sich die Erreger sehr schnell. Beide Gaumenmandeln (Tonsillen) sind stark gerötet und geschwollen. Der HNO-Arzt erkennt zudem gelblich-weiße Flecken (Eiterstippen). Typische Symptome sind:

  • Fieber
  • Schluckbeschwerden und Halsschmerzen
  • Mattes Gefühl und Kopfschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Mundgeruch

Bei kleinen Kindern kann es auch zu Erbrechen und Bauchschmerzen kommen.

Die Erkrankung wird am häufigsten bei Kindern und Jugendlichen zwischen dem 5. und 15. Lebensjahr diagnostiziert.

Wenn die Infektionen immer wieder auftreten oder einen chronischen Verlauf nehmen, wird der HNO-Arzt die Mandeln in der Regel operativ entfernen.

Bei der chronischen Angina, Mandelentzündung (chronische Tonsillitis) sammeln sich abgestorbene Zellen und Bakterien in den tiefen Grübchen (Krypten) der Mandeln an. So entsteht eine chronische Gewebeentzündung mit Vernarbungen. Betroffene haben meistens

  • einen schlechten Geschmack im Mund
  • Mundgeruch
  • Schluckbeschwerden und ein Kratzen im Hals
  • ein allgemeines Schwächegefühl
  • das Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben

Eine chronische Angina, Mandelentzündung (Tonsillitis) kann zu Folgeerkrankungen führen und muss unbedingt von einem HNO-Arzt behandelt werden.

Synonyme und artverwandte Begriffe

Synonyme: Streptokokkenangina, Tonsillitis acuta, Angina tonsillaris, Tonsillitis chronica
Englisch: tonsillitis

Überblick

Links und rechts im Rachen befinden sich die Gaumenmandeln (Tonsillen). Sie dienen dazu, Infekte abzuwehren. Die Gaumenmandeln bestehen aus einem Paar und gehören zusammen mit den Rachenmandeln und den Zungenmandeln zum so genannten lymphatischen Rachenring.

Wenn der Immunschutz nicht ausreichend funktioniert, können sich Bakterien und Viren stark vermehren. Das Gewebe der Gaumenmandeln (Tonsillen) schwillt an und kann sich entzünden. Der Begriff Angina kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Enge oder Beklemmung.

Eine eitrige Angina, Mandelentzündung (Tonsillitis) ist hochansteckend. Durch eine Tröpfcheninfektion wird sie übertragen. Beim Sprechen, Küssen, Niesen oder Husten gelangen feine Speicheltröpfchen von einem Menschen auf den anderen.

Hat der Facharzt für HNO bei Ihnen eine Angina oder Mandelentzündung diagnostiziert, dürfen Sie frühestens einen Tag nach dem Beginn der Behandlung (Therapie) mit Antibiotika wieder Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten, Schule oder eine Arbeitsstelle besuchen.

Eine Mandelentzündung, Tonsillitis gehört immer in ärztliche Behandlung (Therapie), damit sie nicht auf andere Organe, z.B. das Herz, übergreift.

Außerdem kann die Entzündung in die umgebende Muskulatur übergehen und zu einem peritonsillären Abszess führen. Unbehandelt kann der Abszess den Luftweg stark einengen und lebensbedrohlich werden.

Ursachen der Angina, Mandelentzündung (Tonsillitis)

Eine akute Angina, Tonsillitis wird entweder durch Bakterien ausgelöst oder sie ist Folge einer Entzündung, die durch Viren verursacht wurde.

In den meisten Fällen macht der HNO-Arzt Streptokokken als Verursacher aus, genauer gesagt beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A. In seltenen Fällen sind es Staphylokokken, Pneumokokken oder Haemophilus Influenza-Bakterien.

Häufig ist das Immunsystem des Patienten durch einen Virusschnupfen (Rhinitis), eine virale Halsentzündung, durch Stress oder einen schlechten Allgemeinzustand bereits geschwächt.

Eine chronische Angina, Mandelentzündung (Tonsillitis) entwickelt sich entweder aus immer wieder kehrenden (rezidivierenden) Infekten oder durch eine schwelende Entzündung in den Mandeln, die nach drei Monaten noch nicht abgeklungen ist.

Außerdem kann der HNO-Arzt eine akute Entzündung der Gaumenmandeln (Tonsillen) auch auf andere Erkrankungen zurückführen, z.B. Scharlach, eine Streptokokkenangina, das Pfeiffersche Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose), die Herpangina, die Soorangina, eine spezifische Angina bei Lues, Tuberkulose oder Leukämie.

Was Sie bei Angina, Mandelentzündung, Tonsillitis selbst tun können

Die Behandlung (Therapie) des Facharztes für HNO können Sie durch folgende Maßnahmen unterstützen:

  • Feuchte Halswickel (warm oder kalt)
  • Kühle Wadenwickel gegen das Fieber
  • Spülen und Gurgeln mit Salbei- oder Kamillentee
  • Viel trinken (aber keine Säfte und keine Milch)
  • Warme Getränke sind besser als kalte
  • Lutschtabletten wirken schmerzlindernd und helfen gegen die Schluckbeschwerden
  • Halten Sie Bettruhe ein, solange Sie sich geschwächt fühlen

Hilfe durch den Spezialisten

Je nach Spezifität der Symptomatik kann ausgehend von einem Gespräch mit Ihrem Arzt eine weitere detaillierte Diagnostik bei verschiedensten Fachmedizinern erfolgen. Hierzu gehören:

  • HNO-Arzt
  • Internisten

Was Sie bei Ihrem Arzt für HNO erwartet

Bevor Ihr Arzt für HNO mit einer Untersuchung beginnt, findet ein einführendes Gespräch (Anamnese) über Ihre aktuellen Beschwerden statt. Im Rahmen dessen befragt er Sie ebenfalls zu zurückliegenden Beschwerden und eventuell bestehenden Erkrankungen.

Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Seit wann bestehen die Symptome?
  • Können Sie eine genaue Charakterisierung und gegebenenfalls Lokalisation vornehmen?
  • Haben sich im Verlauf der Symptomatik Veränderungen ergeben?
  • Leiden Sie unter zusätzlichen Symptomen wie beispielsweise Atemnot, Schmerzen in der Brust, Schwindelgefühle?
  • Litten Sie schon einmal daran und sind diese Anzeichen familiär aufgetreten?
  • Bestehen aktuell Vorerkrankungen oder Erbkrankheiten und werden diese therapiert?
  • Nehmen Sie aktuell Medikamente ein?
  • Sind Ihnen Allergien bekannt?
  • Leiden Sie unter Stresszuständen im Alltag?

Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?

Ihr Facharzt für HNO benötigt eine Übersicht der Arzneimittel, die Sie regelmäßig einnehmen. Stellen Sie schon vor dem Arztbesuch bei Ihrem HNO-Arzt eine Übersicht über die Medikamente, die Sie einnehmen, in einer Tabelle zusammen. Eine Vorlage für die Übersicht finden Sie hier.

Untersuchungen (Diagnostik) durch den HNO-Arzt

Der HNO-Arzt untersucht Mundhöhle und RachenAusgehend von der in der vorangegangenen Anamnese erhobenen Symptomcharakteristik und dem aktuellen Befinden kann der Facharzt für HNO nun folgende Diagnostik anwenden:

  • Untersuchung der Mundhöhle, des Rachens, Zungengrundes, Kehlkopfes und Nasen-Rachens
  • Abtasten der Lymphknoten am Unterkiefer und Hals
  • Abhören der Lunge
  • Ohr-Mikroskopie
  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
  • Gewebeprobe der Gaumenmandeln (Untersuchung auf Angina Plaut-Vincent)
  • Blutuntersuchung

Eventuell ist eine Untersuchung des Urins erforderlich, um auszuschließen, dass die Nieren an der Erkrankung beteiligt sind.

Besteht die Angina, Mandelentzündung (Tonsillitis) nur einseitig oder ist eine Besserung fünf Tage nach dem Befund immer noch nicht eingetreten, sind weitere Untersuchungen des HNO-Arztes notwendig, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Behandlungen (Therapie)

Die Behandlung (Therapie) der Mandelentzündung richtet sich nach der Art und Schwere der Erkrankung. Außerdem ist entscheidend, ob sie durch Viren oder Bakterien ausgelöst wurde.

Der Facharzt für HNO kann Antibiotika verordnen oder zur Operation und damit zur Entfernung der Mandeln raten.

Die bakterielle Tonsillitis lässt sich gut mit einem Antibiotikum behandeln. Sind jedoch Viren der Auslöser, sind Antibiotika wirkungslos. Dann kann der HNO-Arzt nicht die Ursache behandeln, sondern lediglich die Symptome lindern, indem er schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente verordnet.

Tritt mehr als viermal im Jahr eine Mandelentzündung (Tonsillitis) auf, die mit Antibiotika behandelt werden muss, ist ein operativer Eingriff (Tonsillektomie) unabdingbar. Bei Vorschul- und Schulkindern raten Fachärzte für HNO nach 5 bis 6 Infektionen im Jahr dazu.

Das ist ein Routineeingriff, der in der Regel unter Vollnarkose erfolgt. Die beiden Gaumenmandeln (Tonsillen) werden dabei mit chirurgischen Instrumenten aus ihrem Bett geschält.

In einigen Fällen kommt es zu Nachblutungen. Entweder direkt nach der Operation oder einen Tag später. Manchmal treten sie auch noch eine Woche danach auf, wenn sich der Schorf ablöst.

Nach der Operation empfiehlt der HNO Arzt kalte Getränke und weiche SpeiseDer HNO-Arzt empfiehlt, in den Tagen nach der Operation nur kalte Getränke und weiche Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Körperliche Anstrengung, heißes Baden und Duschen sollten mindestens zwei Wochen unterbleiben.

Eine andere Möglichkeit ist die Teilentfernung der Mandeln (Tonsillotomie). Sie wird vor allem bei Kindern zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr durchgeführt, weil ihre Mandeln sehr groß sind. Mit einem Laser oder mittels Radiofrequenz wird ein Teil der Gaumenmandeln abgetragen. Das erfolgt ambulant.

Vorbeugung (Prophylaxe, Prävention)

Wirklich vorbeugen können Sie einer Angina, Mandelentzündung (Tonsillitis) nicht, aber einige Maßnahmen ergreifen, um ihr Immunsystem zu stärken. Dazu gehören eine gesunde, ausgewogene Ernährung, regelmäßig Bewegung, ausreichend Schlaf und wenig Stress.

Prognose

Der HNO-Arzt bekommt eine akute Angina, Mandelentzündung (Tonsillitis) mit einer gezielten Antibiotika-Behandlung in der Regel problemlos in den Griff. Wenn die Erkrankung jedoch verschleppt oder nicht behandelt wird, kann sie chronisch werden. Der anhaltende Entzündungsherd belastet den Körper, insbesondere Herz, Nieren und Gelenke sind gefährdet.

© CHHG