Muskelzerrung, Muskelfaserriss, Muskelriss

Kompetenzzentrum für Orthopädie informiert: Muskelzerrung, Muskelfaserriss, Muskelriss

Definition Muskelzerrung, Muskelfaserriss, Muskelriss

unfallchirurgieDer Facharzt für Orthopädie unterscheidet verschiedene Formen von Muskelerkrankungen. Zu den häufigsten gehören:

  • Muskelzerrung
  • Muskelfaserriss
  • Muskelriss

Risse und Zerrungen in den Muskeln treten besonders häufig bei Sportarten auf, in denen schnell gesprintet und gestoppt wird. Dazu gehören Fußball, Tennis oder Squash.

Bei einer Muskelzerrung wird der Muskel über das natürliche Maß hinaus gedehnt. Die Zerrung macht sich zunächst durch ein Ziehen bemerkbar. Langsam und kontinuierlich nehmen die Schmerzen zu, der Muskel verhärtet sich.

Eine Muskelzerrung tritt oft nach einer plötzlichen und unkoordinierten Bewegung auf. Im Gegensatz zum Muskelfaserriss oder Muskelriss stellen Orthopäden jedoch keine Risse und Schädigungen an den Muskelfasern fest.

Beim Muskelfaserriss reißen einzelne, kleine Fasern in der Muskulatur, z.B. bei abrupten Drehungen und Beschleunigungen. Fachärzte für Orthopädie diagnostizieren einen Muskelfaserriss meistens in der Waden- und Oberschenkelmuskulatur. In der Regel kommt es auch zu einem Bluterguss (Hämatom). Ein Muskelfaserriss äußert sich durch einen plötzlich auftretenden starken Schmerz. Betroffene sind kaum noch in der Lage, zu gehen oder zu laufen, wenn die Unter- oder Oberschenkelmuskulatur betroffen ist. Die Muskelspannung (der Muskeltonus) ist erhöht.

Auch ein Muskelriss äußert sich durch einen plötzlich auftretenden, sehr heftigen und anhaltenden Schmerz. Dabei ist ein komplettes Muskelbündel nach einer stärkeren Belastung gerissen und völlig durchtrennt. Für den Orthopäden ist die Verletzung durch eine Delle gut sichtbar, denn der Muskel zieht sich dort zusammen. In einigen Fällen ist auch das Sehnengewebe gerissen. Beim Muskelriss kommt es zu einer starken Blutung in das Gewebe. Teilweise geht die Muskelkraft vollständig verloren.

Synonyme und artverwandte Begriffe

Synonyme: Muskelbündelriss
Englisch: pulled muscle, torn muscle fibre, muscle tear

Überblick Muskelzerrung, Muskelfaserriss, Muskelriss

Etwa jede fünfte Sportverletzung, die vom Orthopäden behandelt wird, betrifft Muskeln, Sehnen und Bänder. Muskeln machen etwa 40% der Körpermasse des Menschen aus. Wir haben mehr als 300 Einzelmuskeln. Beim Sport oder bei körperlicher Anstrengung kann es zu Verletzungen kommen. Fachärzte für Orthopädie zählen dazu:

  • Muskelzerrung
  • Muskelfaserriss
  • Muskelriss

Aus Sicht des Orthopäden ist die Muskelzerrung die leichteste der drei Verletzungsarten. Kleine, funktionelle Einheiten des Muskels – sie werden Sarkomere genannt – sind dabei geschädigt. Beim Muskelfaserriss sind dagegen einzelne Fasern im Muskel gerissen, während beim Muskelriss ein ganzes Muskelbündel durchtrennt ist. Der Muskelriss ist die schwerste der drei Verletzungen.

 

Ursachen der Muskelzerrung, des Muskelfaserrisses und des Muskelrisses

Muskelverletzungen werden häufig durch plötzliche, unkoordinierte und extreme Bewegungen ausgelöst, aber auch durch Überanstrengung und durch direkte Gewalteinwirkung, z.B. einen Schlag auf den Muskel oder durch einen Unfall.

Die Verletzungsgefahr steigt insbesondere durch:

  • Ungenügende Vorbereitung bei sportlicher Belastung
  • Unzureichendes Aufwärmen und Stretching
  • Übermüdung der Muskeln
  • Falsches Training
  • Überbelastung der Muskulatur
  • Muskelverkürzung
  • Mineralverluste durch starkes Schwitzen
  • Nicht ausgeheilte vorangegangene Verletzungen

Die Behandlung (Therapie) durch den Orthopäden und die Heilung hängen von der Art und Schwere der Verletzung ab.

Was Sie bei einer Muskelzerrung selbst tun können?

Orthopäden empfehlen den verletzten Muskel zu kühlenNach einer Muskelverletzung ist es wichtig, sofort eine Pause zu machen. Fachärzte für Orthopädie empfehlen, folgende Erstmaßnahmen zu ergreifen, die als sogenannte PECH-Regel leicht zu merken sind:

  • P = Pause einlegen
  • E = Eis auf die betreffende Stelle legen und damit kühlen – allerdings nicht direkt auf die Haut, um Erfrierungen zu vermeiden
  • C = Compression, d.h. einen elastischen Druckverband anlegen
  • H = Hochlagern

Außerdem sollten Sie einen Orthopäden aufsuchen, damit er abklären kann, ob eine Muskelzerrung, ein Muskelfaserriss oder ein Muskelriss vorliegt.

Wie lange Sie den Muskel schonen müssen, hängt von der Art und Schwere der Verletzung ab. Bei einer Muskelzerrung sind es meist nur ein bis zwei Wochen, bis der Muskel wieder voll belastet werden kann, bei einem Muskelfaserriss können dagegen einige Wochen oder sogar Monate vergehen.

Wenn Sie Sport treiben, sollten Sie auf Ihren Körper hören und Schmerzen sowie eine Muskelverletzung nicht ignorieren. Denn dadurch kann sich die Verletzung verschlimmern, der Heilungsprozess dauert dann wesentlich länger.

Hilfe durch den Spezialisten

Je nach Spezifität der Symptomatik kann ausgehend von einem Gespräch mit Ihrem Arzt eine weitere detaillierte Diagnostik bei verschiedensten Fachmedizinern erfolgen. Hierzu gehören:

  • Orthopäden
  • Chirurgen

 

Was Sie bei Ihrem Arzt für Orthopädie erwartet?

Bevor Ihr Arzt für Orthopädie mit einer Untersuchung beginnt, findet ein einführendes Gespräch (Anamnese) über Ihre aktuellen Beschwerden statt. Im Rahmen dessen befragt er Sie ebenfalls zu zurückliegenden Beschwerden und eventuell bestehenden Erkrankungen.

Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Seit wann bestehen die Symptome?
  • Können Sie eine genaue Charakterisierung und gegebenenfalls Lokalisation vornehmen?
  • Haben sich im Verlauf der Symptomatik Veränderungen ergeben?
  • Leiden Sie unter zusätzlichen Symptomen wie beispielsweise Atemnot, Schmerzen in der Brust, Schwindelgefühle?
  • Litten Sie schon einmal daran und sind diese Anzeichen familiär aufgetreten?
  • Bestehen aktuell Vorerkrankungen oder Erbkrankheiten und werden diese therapiert?
  • Nehmen Sie aktuell Medikamente ein?
  • Sind Ihnen Allergien bekannt?
  • Leiden Sie unter Stresszuständen im Alltag?

 

Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?

Ihr Facharzt für Orthopädie benötigt eine Übersicht der Arzneimittel, die Sie regelmäßig einnehmen. Stellen Sie schon vor dem Arztbesuch beim Orthopäden eine Übersicht über die Medikamente, die Sie einnehmen, in einer Tabelle zusammen. Eine Vorlage für die Übersicht finden Sie hier.

Untersuchungen (Diagnostik) durch den Orthopäden Berlin

Ausgehend von der in der vorangegangenen Anamnese erhobenen Symptomcharakteristik und dem aktuellen Befinden kann der Facharzt für Orthopädie nun folgende Diagnostik anwenden:

  • Körperliche Untersuchung
  • Röntgenuntersuchung
  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
  • Kernspintomographie
  • Magnetresonanztomographie (MRT)

Behandlungen (Therapie)

Die Behandlung (Therapie) des Facharztes für Orthopädie richtet sich danach, um welche Art von Muskelverletzung es sich handelt und wie schwer sie ist. Auch das Alter des Patienten spielt eine Rolle. Auf jeden Fall sollte der betroffene Muskel nicht mehr belastet, sondern geschont werden.

Bei einer Muskelzerrung kann der Muskel nach etwa zwei Wochen wieder voll belastet werden. In manchen Fällen dauert es auch länger.

Dagegen können bei einem Muskelfaserriss mehrere Wochen oder Monate vergehen, bis der Heilungsprozess vollständig abgeschlossen ist. Dort, wo Fasern eingerissen waren, bleiben sehr kleine Narben zurück. An diesen Stellen ist das Risiko erhöht, dass die Fasern erneut reißen.

Bei einem Muskelriss muss der Orthopäde häufig einen chirurgischen Eingriff vornehmen. Das komplett durchtrennte Muskelbündel wird dabei zusammengenäht und der entstandene Bluterguss (Hämatom) entfernt. Damit verhindert der Facharzt für Orthopädie, dass sich dort Kalk einlagert, der die Muskelfunktion stört.

In der Regel wird der Orthopäde einen Muskelfaserriss und einen Muskelriss auch medikamentös behandeln, um die Schmerzen zu lindern und eine Entzündung zu vermeiden. Infrage kommen Ibuprofen und Diclofenac.

Möglicherweise wird der Facharzt für Orthopädie auch krankengymnastische Übungen verordnen. Treten dabei Schmerzen auf, müssen die Übungen sofort abgebrochen werden.

Ein Muskelfaserriss kann auch mit Reizstrom behandelt werden (physikalische Therapie).

Vorbeugung (Prophylaxe, Prävention)

Der Orthopäde empfiehlt, sich vor dem Sport gut aufzuwärmenWenn Sie Sport treiben, gibt es aus Sicht des Orthopäden verschiedene Möglichkeiten, um einer Muskelzerrung, einem Muskelfaserriss oder einem Muskelriss vorzubeugen:

  • Wärmen Sie sich vor dem Sport gut auf
  • Vermeiden Sie Überbelastungen des Muskels
  • Tragen Sie Sportschuhe, die für Ihre Körperstatik und die ausgeübte Sportart geeignet sind
  • Hören Sie auf Ihren Körper
  • Tragen Sie eventuell Bandagen oder Tapeverbände, um besonders gefährdete Körperteile zu schützen, z.B. Knie oder Ellenbogen

Prognose

Muskelverletzungen haben aus Sicht des Orthopäden gute Heilungschancen, weil der Muskel sehr gut durchblutet ist. Allerdings dauert der Heilungsprozess unterschiedlich lange, je nachdem, ob es sich um eine Muskelzerrung, einen Muskelfaserriss oder einen Muskelriss handelt. Das kann einige Tage, Wochen oder Monate dauern. Schonung ist in dieser Zeit unabdingbar.

© CHHG