Abgeschlagenheit – Burnout

Burnout - TraurigkeitAbgeschlagenheit bezeichnet einen meist kurzzeitigen Zustand von Müdigkeit, körperlicher und psychischer Erschöpfung und Schwäche, der durch eine ausreichend lange Erholungsphase ausgeglichen werden muss.

Definition

Von einem Burnout – Syndrom spricht man, wenn eingelegte „Auszeiten“ diesen Zustand nicht genügend kompensieren können. Häufig treten beim Burnout – Syndrom zusätzliche Begleiterscheinungen wie Konzentrationsschwierigkeiten oder eine allgemeine Unfähigkeit Arbeit und Alltag effizient zu bewältigen auf. Im Gegensatz zu einer depressiven Erkrankung geht das Burnout – Syndrom grundsätzlich nicht mit den depressionstypischen Phasen von Traurigkeit und Perspektivlosigkeit einher.
Das chronische Erschöpfungssyndrom (chronic fatigue syndrome, CFS) ist als manifeste Erkrankung hingegen von den oben genannten Symptomkomplexen klar abzugrenzen und erst ab einer Dauer der Symptome von mehr als sechs Monaten als solches definiert. Trotz annähernd gleicher Symptomcharakteristik vermuten Wissenschaftler derzeit eine körperliche Ursache, die jedoch bisher noch nicht klar identifiziert werden konnte. Allgemein scheinen Frauen häufiger betroffen als Männer. Im Falle der schwersten Ausprägungsform verbringen Betroffene oftmals viele Stunden täglich im Bett und sind kaum in der Lage am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Synonyme und artverwandte Begriffe

  • Chronisches Erschöpfungssyndrom, chronic fatigue syndrome (CFS)

Englisch: Lethargy, Burnout syndrome, Chronic fatigue syndrome

Überblick

Tage, an denen man sich müde, abgeschlagen, körperlich oder geistig erschöpft und nicht leistungsfähig fühlt, sind wohl jedem Menschen gut vertraute, hin und wieder auftretende Gefühle. Ein stressiger Arbeitstag, eine anstrengende Reise, körperliche, geistige Aktivität oder große Aufregung, aber auch belastende Situationen können, ebenso wie eine zugrunde liegende körperliche Erkrankung, dafür verantwortlich sein. Meist genügt dann, einfach mal „die Beine hochzulegen“, ein Nickerchen zu halten, dem Körper eine Auszeit zu gönnen, sich „den schönen Dingen des Lebens“ zu widmen und schlichtweg auszuspannen. Manifestiert sich jedoch dieser Zustand über Tage und Wochen hinweg und lässt sich durch vermeintlich zeitlich ausreichende Erholungs- oder Urlaubszeiten nicht ausgleichen, kann ihm ein gewisser Krankheitswert zugesprochen werden. Das Burnout – Syndrom bezeichnet die drastischste Form körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung ohne zugrunde liegende körperliche Erkrankung. Betroffene fühlen sich regelrecht „ausgebrannt“. Häufig beobachten Ärzte jedoch bei Vorliegen einer chronischen Erschöpfung oder dem Burnout – Syndrom zusätzlich organische Begleiterscheinungen.
Folgende Symptome und Verhaltensweisen können begleitend zu einer dauerhaften Erschöpfungssymptomatik auftreten:

  • Schlafstörungen, erhöhter Schlafbedarf
  • Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, „Fahrigkeit“, leichte Reizbarkeit, Frust, Versagensgefühle
  • Wortfindungsstörungen
  • Reduzierte Emotionalität, Gefühl der „emotionalen Grauzone“, innerlichen Leere, Interessens- und Freudverlust, Antriebslosigkeit
  • Unvermögen, den Alltag strukturiert zu bewältigen
  • Vermindertes Selbstbewusstsein
  • Soziale Isolation
  • Vermindertes sexuelles Lustempfinden (Libido)
  • Allgemeines Krankheitsgefühl
  • Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Erkältungssymptome, Fieber
  • Kopf- und Gelenkschmerzen
  • Nervöse Muskelzuckungen (Augenlid, Mundwinkel), Muskelschmerzen und -verspannungen
  • Magen-Darm-Erkrankungen, Reizdarmsyndrom
  • Sodbrennen
  • Hauterkrankungen, wie Pickel, Akne, Neurodermitis
  • Haarausfall
  • Beeinträchtigung des Hörvermögens, Hörsturz, Tinnitus
  • Verminderte körperliche Leistungsfähigkeit

Ursachen

Im Folgenden finden Sie einige Faktoren, die zu chronischen Erschöpfungszuständen oder einem Burnout – Syndrom führen können. Häufig kann das Auftreten eines einzelnen Ereignisses noch gut bewältigt werden, meist jedoch führt das Eintreten eines weiteren Faktors dazu, dass Betroffene jene Symptome erstmals deutlich wahrnehmen.
Auslösende oder begünstigende Faktoren können sein:

  • Chronischer Stress, Überlastung
  • Übersteigerter Ehrgeiz und Verantwortungsbewusstsein, Perfektionismus
  • Misserfolge, fehlende Anerkennung, unklare Hierarchien am Arbeitsplatz, Mobbing
  • Verlustängste
  • Konflikte, belastende Situationen, Verlust einer nahestehenden Person
  • Dauerhaftes Schlafdefizit, gestörter Biorhythmus, häufiger „Jet-Lag“
  • Einseitige Ernährung, Vitamin- und Elektrolytmangel, Unterernährung
  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Alkohol- und Drogenkonsum
  • Infektionskrankheiten
  • Autoimmunerkrankungen
  • Verminderte Herzleistung (Herzinsuffizienz)
  • Allergien
  • Giftstoffe
  • Medikamenteneinnahme

Was Sie selbst tun können

Sollten Sie unter einem oder mehrerer oben genannter Symptome leiden, oder allgemein ein Energiedefizit verspüren, dessen Ursache Sie sich nicht erklären können, sollten Sie die Ursache ärztlich abklären lassen. Auch wenn Sie sich nicht direkt krank fühlen, sollten Sie die Signale Ihres Körpers ernst nehmen und auf Ursachenfindung gehen.

Hilfe durch den Spezialisten

Je nach Spezifität der Symptomatik kann ausgehend von einem Gespräch mit Ihrem Arzt eine weitere detaillierte Diagnostik bei verschiedensten Fachmedizinern erfolgen.

Hierzu gehören:

  • Internist
  • Psychologe
  • Gastroenterologe
  • Endokrinologe

Was Sie bei Ihrem Arzt erwartet

Bevor Ihr Arzt mit einer Untersuchung beginnt, findet ein einführendes Gespräch (Anamnese) über Ihre aktuellen Beschwerden statt. Im Rahmen dessen befragt er Sie ebenfalls zu zurückliegenden Beschwerden und eventuell bestehenden Erkrankungen.

Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Seit wann fühlen Sie sich derart müde und erschöpft? Gab es möglicherweise auslösende Ereignisse? Inwieweit schränkt Sie dies in Ihrem normalen Alltag ein?
  • Versuchen Sie, Ihre Gefühle und Empfindungen genauer zu beschreiben.
  • Leiden Sie unter körperlichen Begleiterscheinungen?
  • Litten Sie bereits schon einmal daran und was konnten Sie damals tun, dass die Symptome wieder verschwanden?
  • Haben Sie häufig Stress oder fühlen sich überlastet? Sind Sie häufig unterwegs?
  • Wie viel Sport treiben Sie im Allgemeinen?
  • Bestehen aktuell Vorerkrankungen oder Erbkrankheiten und werden diese therapiert?
  • Wie ernähren Sie sich für gewöhnlich?
  • Nehmen Sie aktuell Medikamente ein?
  • Sind Ihnen Allergien bekannt?
  • Wie gestaltet sich Ihr Genussmittelkonsum?

Untersuchungen (Diagnostik)

Ausgehend von Ihrer in der vorangegangenen Anamnese erhobenen Symptomcharakteristik und Ihrem aktuellen Befinden kann der Arzt nun versuchen, eine zu Grunde liegende körperliche Ursache (Infekte, Allergien, Stoffwechselstörungen) zu finden. Hierzu kann er folgende Diagnostik anwenden:

  • Blutentnahme
  • Urinuntersuchung
  • Allergietestung
  • Elektrokardiogramm (EKG), Belastungs-EKG

Behandlungen (Therapie)

Bei Vorhandensein einer körperlichen Grunderkrankung wird Ihr Arzt diese ursachenorientiert therapieren.
Erfahrungsgemäß liegt jedoch meistens eine psychische Ursache vor, aufgrund derer Ihr Arzt Ihnen die Empfehlung einer Gesprächstherapie aussprechen kann. Im Austausch mit Psychotherapeuten, anerkannten Coaches oder Psychologen können oftmals entscheidende Lebensumstände oder auslösende Ereignisse definiert werden, die zu Ihrer Symptomcharakteristik geführt haben können. Im Verlauf einer systematischen Psychotherapie lernen Sie Möglichkeiten und Wege kennen, diese Situationen zu erkennen, zu bewältigen oder eventuell bestimmte Lebensbereiche alternativ zu gestalten.
Bei Bedarf kann gegebenenfalls eine medikamentöse Begleittherapie in Absprache mit Ihrem Arzt stattfinden.
Zu den häufig eingesetzten Wirkstoffklassen zählen:

  • Beruhigende und schlaffördernde Medikamente (Baldrian, Hopfen, Johanniskraut, Benzodiazepine und benzodiazepinähnliche Substanzen)
  • L-Tryptophan (die Vorstufe von Serotonin, dem „Glücks- und Zufriedenheitshormon“)
  • Antidepressiva

Vorbeugung (Prophylaxe, Prävention)

Grundlegende Voraussetzung, einer sich anbahnenden Erschöpfungs-Symptomatik vorzubeugen ist, dass Sie sensibel und empfänglich für Signale Ihres Körpers bleiben.

Yoga, Meditation, entspannende MusikDazu zählen folgende, ganz grundlegende Dinge:

  • Gehen Sie schlafen, wenn Sie müde sind. Der Genuss anregender Substanzen (Koffein, Teein, Taurin, Alkohol) nach 17 Uhr beeinträchtigt Ihren Biorhythmus, vermindert die Schlafqualität und kann dazu führen, dass Sie sich am nächsten Morgen unausgeschlafen und nicht erholt fühlen. Sorgen Sie für eine ausreichende Schlafdauer von 6-8 Stunden.
  • Versuchen Sie, Beruf und Privatleben zu trennen. To-Do-Listen, die Ihre Arbeit betreffen, gehören auf den Büroschreibtisch und eben nicht auf den Nachttisch.
  • Lernen Sie, auch mal „nein“ zu sagen, wenn Sie sich überfordert und überlastet fühlen, auch wenn Sie Spaß an Ihrer Arbeit haben. Akzeptieren Sie, dass Sie nicht zehn Dinge gleichzeitig leisten können, erledigen Sie eine Aufgabe nach der nächsten – so behalten Sie den Überblick und gelangen nicht in einen Strudel aus innerlichem Stress durch überhöhte Anforderungen und zeitlichen Druck. Respektieren Sie, dass Ihr Körper ebenfalls nicht unermüdlich leisten kann und legen Sie regelmäßig Pausen ein. Versuchen Sie, diese auch als kurze Auszeit zu begreifen und zu genießen.
  • Pflegen Sie Ihr Sozialleben; treffen Sie sich regelmäßig mit Freunden, räumen Sie Ihrer Partnerschaft oder Ihren Kindern ausreichend Zeit ein und widmen Sie sich Ihren Hobbies. Soziale Eingebundenheit ist eine wichtige Ressource, bei der Sie Anerkennung, Unterstützung und Ausgleich finden und Kraft schöpfen können.
  • Treiben Sie regelmäßig Sport und ernähren Sie sich gesund. Ein gesunder Körper ist die Voraussetzung für einen gesunden Geist.
  • Yoga, Meditation, entspannende Musik oder die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen bieten ebenfalls gute Möglichkeiten, innerliche Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden, sowie Stresszustände zu bewältigen.

Prognose

Kurzzeitige Erschöpfungszustände bedürfen meist schlichtweg einer Auszeit zum Energietanken und „Luftholen“. Häufig hilft hier schon ein entspanntes Wochenende, ein kleiner Urlaub oder auch nur ein gemeinsamer Abend mit Freunden nach langer Zeit und die vermeintliche Erschöpfung scheint wie weggeblasen, sodass man wieder energiegeladen und freudvoll in den Alltag starten kann.
Bei schwereren Erschöpfungszuständen oder einem Burnout – Syndrom erzielt eine psychotherapeutische Begleitung die besten Ergebnisse. Betroffene können gezielt Missstände Ihrer aktuellen Lebenssituation erkennen und aktiv verändern. Eine solche Veränderung lässt sich jedoch häufig nicht „von heute auf morgen“ realisieren, es bedarf oftmals einiges an Energie, Geduld und Unterstützung durch das Umfeld, jedoch führt dies meist zu einem zufriedeneren, glücklicheren und entspannteren Lebensentwurf.

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