Nachtschweiß – Hyperhidrosis nocturna

SchwitzenNachtweiß bezeichnet das übermäßige Schwitzen während des Schlafens. Das ist ein relativ unspezifisches Symptom und kann im Rahmen von zahlreichen Infektions- und Tumorerkrankungen auftreten.

Definition

Unter diesem Symptom leidende Menschen wachen nachts schweißgebadet auf und müssen oftmals Kleidung und Bettlaken wechseln; ihre alltägliche Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit ist deutlich eingeschränkt.

Synonyme

  • Schwitzen nachts
Englisch: Night sweats, nocturnal hyperhidrosis

Überblick

Dysregulationen im Hormonhaushalt und Stoffwechselerkrankungen sind ebenfalls häufige Ursachen. Des Weiteren ist nächtliches Schwitzen auch als Symptom bei psychischen Erkrankungen oder Stress bekannt.

Als idiopathischen Nachtschweiß bezeichnet man das Auftreten von nächtlichem Schwitzen ohne erkennbare organpathologische Ursache.

Davon abzugrenzen ist das durch äußerliche Faktoren induzierte Schwitzen bei zu hoher Raumtemperatur während der Nacht (empfohlen sind 18-21°C).

Schwitzen dient dem Körper zur lebenswichtigen Regulation der Körpertemperatur. Ein dünner Feuchtigkeitsfilm kühlt die dicht durchblutete Haut. Das Blut strömt durch das engmaschigen Kapillarnetz der Haut und kann so viel transportierte Wärme abgeben und strömt 1-2°C kühler über das venöse System wieder in tiefere größere Gefäße zurück zum Herzen. Die genaue Konstanthaltung der Körpertemperatur in engen Grenzen um 37°C ist wichtig für viele Vitalfunktionen – beispielsweise haben im Blut zirkulierende Enzyme und Proteine bei 37°C ihr Wirkungsmaximum. Bei dieser Temperatur wird Sauerstoff von den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) optimal gebunden und transportiert.

Von pathologisch übermäßigem Schwitzen (Hyperhidrosis) spricht man ab einer Schweißsekretion von >100mg Schweiß in 5 Minuten in einer Achselhöhle. Es tritt meistens im frühen Erwachsenenalter zwischen 18 und 30 Jahren auf.

Ursachen

Nächtliches übermäßiges Schwitzen kann durch folgende Erkrankungen hervorgerufen werden:

  • Akute Infektionen, die mit einer Fiebersymptomatik einhergehen (Grippe, Malaria, Pfeiffersches Drüsenfieber). In diesem Falle kennzeichnet das Schwitzen einen gesunden Abwehrmechanismus im Rahmen der systemischen Temperaturerhöhung als Reaktion auf die mit der Infektion einhergehenden Aktivierung des Immunsystems.
  • Chronische Infektionskrankheiten (Chronische Bronchitis, Tuberkulose oder AIDS)
  • B-Symptomatik bei einer Herzinsuffizienz oder anderen kardial assoziierten Erkrankungen
  • Schlafstörungen, Schlafapnoesyndrom
  • Hormonelle Störungen (Schilddrüsenüberfunktion, d.h. Hyperthyreose, Klimakterium)
  • Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus, Morbus Cushing)
  • Autoimmunerkrankungen (Rheumatoide Arthritis, Polymyalgia rheumatica)
  • Allergische Erkrankungen
  • Tumorerkrankung (Krebs) einhergehend mit einer sog. B-Symptomatik
  • Leukämien, Lymphome einhergehend mit einer sog. B-Symptomatik
  • Medikamenteneinnahme, beispielsweise bei Zytostatikatherapie
  • Neurologische Erkrankungen (Multiple Sklerose, Epilepsie)
  • Psychische Erkrankungen (Depressionen, Angststörungen, Psychosen, „Burnout-Syndrom“)
  • Akuter oder chronischer Stress
  • Ernährungszustand (Unter- und Übergewicht)
  • Alkohol-, Drogeneinnahme
Auch eine Schwangerschaft kann zu nächtlichem Schwitzen führen.

Was Sie selbst tun können

Der Mensch verbringt circa 1/3 seiner Lebenszeit schlafend.

Man vermutet, dass die Zeit des Schlafens vermutlich die wichtigste Phase für unseren Körper darstellt. Während der Schlafenszeit regeneriert sich der Körper nicht nur energetisch, es finden physiologische Vorgänge wie Muskel- und Knochenaufbau, Organregeneration und Entgiftungsvorgänge statt. Das Gehirn verarbeitet emotionale Ereignisse und ordnet neu Gelerntes ein. Schlaf fördert die Immunkompetenz und Wundheilungsfähigkeit. Darüber hinaus fördert ein gesunder Schlaf den Stoffwechsel und kurbelt die Fettverbrennung an.

Ein gestörter Schlaf deutet auf eine Dysbalance im Körper hin. Fragen Sie Ihren Arzt um Rat und beachten Sie, dass nächtliches Schwitzen in Verbindung mit Atemnot ein Symptom sein kann, welches eine dringliche Arztkonsultation erforderlich machen kann!

Hilfe durch den Spezialisten

Je nach Spezifität der Symptomatik kann ausgehend von einem Gespräch mit Ihrem Hausarzt eine weitere Diagnostik bei verschiedensten Fachmedizinern erfolgen. Hierzu gehören:

  • Kardiologen/ Internisten
  • Schlafmediziner
  • Psychologen/ Psychotherapeuten
  • Neurologen
  • Allergologen
  • Endokrinologen
  • Onkologen

Was Sie bei Ihrem Arzt erwartet

Bevor Ihr Arzt mit spezifischeren Untersuchungen beginnt, befragt er Sie ausführlich zu den aktuellen und eventuell auch zurückliegenden Beschwerden, sowie zu bereits bestehenden Erkrankungen.

Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Seit wann, wie stark und bei welchen Veränderungen bestehen die Beschwerden?
  • Schwitzen Sie auch tagsüber vermehrt?
  • Liegen parallele Symptome (Gewichtsverlust, veränderte Stimmungslage, Appetitverlust, ein schnellerer Herzschlagrhythmus) vor?
  • Haben Sie bereits schon einmal daran gelitten oder sind diese Symptome familiär bereits aufgetreten?
  • Sind aktuelle Vorerkrankungen (Infektionskrankheiten, Diabetes mellitus, Hyperthyreose, Erbkrankheiten, psychische Erkrankungen) und werden diese therapiert?
  • Liegen Allergien vor?
  • Leiden Sie unter Stress?
  • Welche Medikamente nehmen Sie?

Untersuchungen (Diagnostik)

Da nächtliches Schwitzen ein relativ unspezifisches Symptom darstellt, kann Ihr Arzt ausgehend von einer ausführlichen Anamnese sowie einer gründlichen körperlichen Untersuchung zusätzlich eine Blutentnahme zur Messung grundlegender Parameter des Körperzustands zu Hilfe nehmen. Ihr Arzt überprüft hierbei die allgemeine Zellzusammensetzung des Blutes, die Entzündungswerte, Leber- und Nierenfunktion, die „Stresshormone“ Adrenalin und Noradrenalin, die Schilddrüsen- und Geschlechtshormone und nimmt ev. auch eine mikrobiologische Testung vor.

Oftmals zeigen sich anhand des Blutbildes schon Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung; die weitergehende Diagnostik bei Ihrem Facharzt ist nun organspezifisch sehr variabel und abhängig von Art, Schwere und Prognose des Krankheitsbildes.

Therapiemöglichkeiten

Therapeutisch gilt es, die Ursache des nächtlichen Schwitzens herauszufinden und dort mit der Behandlung anzusetzen. Da in den meisten Fällen eine organpathologische Ursache definiert werden kann, legen sich im Laufe der Therapie auch die begleitenden Symptome. Ein idiopathisches oder chronisches nächtliches Schwitzen liegt selten vor.

Prävention (Vorbeugung)

Oftmals lässt sich ein gesunder Schlaf bereits durch kleine Maßnahmen wiederherstellen. Kontrollieren Sie zunächst die Außenfaktoren, die eine ungestörte Nachtruhe beeinflussen können.
Dazu gehören:
  • Raumtemperatur (empfohlen werden 18-21°C) und Luftfeuchtigkeit, sowie konstante Frischluftzufuhr.
  • Wählen Sie Ihre nächtliche Bekleidung leicht und atmungsaktiv.
  • Bettlaken: (Verwenden Sie luftdurchlässige Bettwäsche)Entspannung
  • Vermeiden Sie schwere und scharf gewürzte Mahlzeiten sowie Genussmittel wie Nikotin, Kaffee oder Alkohol vor dem Zubettgehen. Die letzte Mahlzeit sollte 2-3 Stunden vor der Nachtruhe erfolgen.
  • Achten Sie auf eine gute „Schlafhygiene“: Versuchen Sie Tätigkeiten, die nicht direkt mit dem Schlafen assoziiert sind, nicht im Bett oder dem Schlafzimmer zu erledigen. Auch wenn der tragbare Laptop den Komfort bietet, E-Mails vom Bett aus zu beantworten, sollten Sie Arbeit und Erholung trennen.
  • Vermeiden Sie ebenfalls aufregende Filme; hören Sie stattdessen beruhigende Musik oder lesen Sie ein paar Seiten.
  • Fördern Sie die Melatoninproduktion (das „Schlafhormon“), indem Sie 1 Stunde vor dem Lichterlöschen die Beleuchtung reduzieren.
  • Gestalten Sie Ihren Alltag möglichst bewegungsreich. So sind Sie abends auch körperlich müde.
  • Vermeiden Sie einen Blick auf Ihre „To-Do-List“ und gönnen Sie sich Ihren Feierabend ab 21:00h. Nichts stört einen gesunden Schlaf mehr als permanent im Kopf kreisende Gedanken. Legen Sie sich gegebenenfalls ein Notizbuch neben das Bett. So können Sie eventuelle Einfälle schnell notieren und müssen sich nicht darum sorgen, diese bis zum nächsten Tag wieder vergessen zu haben.
  • Aktive Entspannung durch Yoga, Meditation oder die “Progressive Muskelentspannung“ nach Jacobson kann ebenfalls helfen, innerlich zur Ruhe zu kommen.

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