Vaginaler Ausfluss – Fluor genitalis


Eine kleine Menge weißlichen, geruchslosen Sekrets, auch als sogenannter „Weißfluss“ (Fluor albus, Fluor vaginalis) bezeichnet, ist Zeichen einer gesunden Vaginalfunktion und Scheidenflora. Er tritt mit Beginn der Pubertät und der einsetzenden Östrogenwirkung zum ersten Mal auf.

Definition

Vaginaler Ausfluss (Fluor genitalis) bezeichnet den gesunden Ausfluss aus der weiblichen Scheide.

Synonyme

  • Fluor genitalis, Fluor vaginalis, Fluor albus

Englisch: vaginal discharge

Überblick

In Abhängigkeit vom weiblichen Zyklus und den damit einhergehenden hormonellen Schwankungen (Östrogen- und Gestagenwerte) sezerniert das Schleimhautepithel des Gebärmutterhalses (Zervix) dabei ein visköses, Milchsäurebakterien und Glykogen (Kohlenhydrate in spezieller Speicherform) enthaltendes Sekret.
Die Zähflüssigkeit des Sekrets hindert als eine Art natürliche Empfängnisverhütung während der Heranreifung der weiblichen Eizellen die Spermien vor dem Eindringen in die Gebärmutter. Dementsprechend verändert sich die Konsistenz zum Eisprung (Ovulation) hin: Es wird flüssiger und enthält zur Ernährung der Spermien vermehrt Glykogen. Das leicht säuerliche Milieu (pH unter 4,5) der Vagina verhindert die Besiedlung von Krankheitserregern und hält eine reinigende Funktion inne. Dadurch können sich Bakterien und Pilze trotz des feucht-warmen Milieus bei einem solchen pH-Wert nur schlecht vermehren.
Die Konsistenz des Ausflusses kann sich allerdings auch als Zeichen einer gestörten Scheidenflora oder Erkrankungen im Bereich des Gebärmutterhalses verändern. Wird der Ausfluss beispielsweise stark schleimig oder wässrig, schaumig oder enthält er kleine Krümel, Eiter oder Blut, verfärbt er sich braun, gelblich oder grün, sollte die Ursache der Veränderung ärztlich abgeklärt werden. Meist ist ein verändertes Vaginalsekret begleitet von unangenehmer Geruchsbildung, Juckreiz, Schwellungen oder Rötungen, sowie einem weißlichen Belag im Bereich der Schamlippen und des Scheideneingangs (Vulvitis) oder der Scheide, d.h. Vagina (Vaginitis, Kolpitis). Dies deutet häufig auf eine Infektion mit Entzündung des Scheideneingangs (Vulva) und/ oder der Scheide (Vagina) hin.
Viele Frauen fühlen sich bei einer solchen Infektion oft zusätzlich matt und leiden unter ausstrahlenden Schmerzen in den Lumbalbereich und Schmerzen beim Wasserlassen und Geschlechtsverkehr mit gestörter Lubrikation (Befeuchtung der Scheide bei sexueller Erregung).

Ursachen

Oftmals führt eine übertriebene oder mangelhafte Hygiene, ungeschützter Geschlechtsverkehr mit einem infektiösen Partner, Hormonänderungen im Rahmen der Menopause oder nach Entfernung der Eierstöcke (Ovarektomie), bei Immunschwäche oder nach Antibiotikatherapie zu einer Änderung des Scheidenmilieus. Der saure pH-Wert kann nicht aufrecht erhalten werden und pathogene Keime können die Vagina besiedeln.
Infektionen & Fluorbeschaffenheit:

Krankheit
Erreger
Beschreibung Fluor vaginalis
Bakterielle Vaginitis Oftmals Escherichia coli oder andere Darmbakterien, möglich sind auch Chlamydien, Gardnerella vaginalis, Staphylokokken, Streptokokken Grau, dünnflüssig, charakteristischer fischartiger Geruch; bei Candida weiß-cremig
Trichomonaden Gelblich-grün, schaumig, übelriechend
Pilze Vaginalmykose, häufig Candida albicans (Hefepilz). Hefepilze werden in krankmachende und nicht-gefährdende Pilze eingeteilt. Hefen der Gattung Candida (z. B. Candida albicans) gehören zu den krankmachenden Formen. Gelblich-klar
Tuberkulose Mycobacterium tuberculosis Gelblich-krümelig
Gonorrhöe (Tripper) Gonokokken-Infektion Weißlich-klar, sehr flüssig
Syphilis
(Lues venerea)
Treponema pallidum Unspezifisch

Andere Ursachen für veränderten Ausfluss können sein:

  • Allergische Reaktionen (Latexkondome, Intimkosmetika)
  • Benigne (gutartige) oder maligne (bösartige) Entartungen des Gebärmutterhalses
  • Eingeführte Fremdkörper (vergessener Tampon)
  • Stress oder seelische Belastungen
  • Medikamente (Antibiotika, Zytostatika, „die Pille“, synthetische Östrogene)
  • Stoffwechselerkrankungen (Diabetes Mellitus)

Hormonelle Umstellungen während der Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause können ebenfalls ein verändertes Zervikalsekret bewirken. Dies hat jedoch keinen Krankheitswert.

Was Sie selbst tun können

In Apotheken sind rezeptfreie Zäpfchen mit Milchsäurebakterien (Döderleinbakterien) erhältlich, die meist nach abgeschlossener Therapie eingesetzt werden, um die Regeneration der natürlichen Scheidenflora zu unterstützen.
Bei oben genannter Symptomatik sollten Sie jedoch Ihren Gynäkologen kontaktieren, gegebenenfalls ist eine schnelle Intervention erforderlich, da fortschreitende Infektionen eine Unfruchtbarkeit nach sich ziehen können.

Hilfe durch den Spezialisten

Grundsätzlich wird empfohlen, die jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen wahrzunehmen, da im Rahmen dieser immer ein Abstrich entnommen wird und präventiv auf mögliche Keimbesiedlungen und Gewebsveränderungen untersucht werden kann. Hierzu verfügt der Gynäkologe neben den spezifischen Instrumenten auch über einige mikrobiologische Schnelltests.

Was Sie bei Ihrem Arzt erwartet

Bevor Ihr Arzt mit spezifischen Untersuchungen beginnt, befragt er Sie ausführlich zu den aktuellen und eventuell auch zurückliegenden Beschwerden, sowie zu bereits bestehenden Erkrankungen.
Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Seit wann, wie stark und in welcher Veränderung die Beschwerden bestehen?
  • Ob Sie bereits schon einmal daran gelitten haben?
  • Ob aktuelle Vorerkrankungen oder andere Symptome bekannt sind und therapiert werden?
  • Ob Ihr Sexualpartner aktuell mitbetroffen ist oder war und ob Sie beide Probleme beim Sexualverkehr haben?
  • Nach Ihren Verhütungsmethoden und ob Sie orale hormonelle Kontrazeptiva („Pille“) aktuell einnehmen oder eingenommen haben?
  • Wann Ihre letzte Menstruation stattgefunden hat und ob sie normal abgelaufen ist?
  • Gegebenenfalls wird er wissen wollen, ob Sie sich in der Menopause befinden?
  • Ob Allergien vorliegen?
  • Ob sie unter Stress leiden?

Untersuchungen (Diagnostik)

Die gynäkologische Untersuchung beginnt mit dem schmerzfreien bimanuellen Abtasten der weiblichen Geschlechtsorgane durch die Bauchdecke und durch die Vagina. Das Spekulum (Scheidenspiegel) ermöglicht dem Arzt die Beurteilung der Vagina und des Gebärmutterhalses, sowie des Sekrets nach Farbe, Menge, Art und Geruch. Mit einem Teststäbchen kann er zusätzlich schnell und einfach den pH-Wert bestimmen. Des Weiteren stehen dem Gynäkologen folgende schmerzfreie und zuverlässige Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Entnahme eines Abstrichs zur mikroskopischen Beurteilung der Zellbeschaffenheit (Zellmorphologie) und einer eventuellen Besiedlung mit Fremdkeimen
  • Erregerkultur (Anzüchtung einer Mikroorganismenkultur) mit anschließenden spezifischen mikrobiologischen Testungen auf bestimmte Erregertypen
  • Biopsie bei Veränderungen der Zellmorphologie
  • Blutentnahme zur Bestimmung des hormonellen Status’

Behandlung (Therapie)

Geschlechtskrankheiten - Antibiotika - Frauenmedizin

Vaginale Infektionen werden folgendermaßen therapiert:

  • lokal: Scheidenzäpfchen, -tabletten oder Cremes
  • systemische Maßnahmen: Antibiotika

Wichtig bei den meisten Genitalinfektionen (v.a. Trichomonas) ist die konsequente Mitbehandlung des Sexualpartners um eine Reinfektion zu verhindern. Während der Behandlung sollte zudem auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden.
Bei vorliegender Schwangerschaft verzichtet der Arzt wenn möglich auf eine systemische Therapie um den Fetus diesen Medikamenten nicht auszusetzen. Hier ist jedoch ein schneller Behandlungsbeginn erforderlich, da aufsteigende Infektionen das ungeborene Kind schädigen können.
Bei Latexallergien besteht die Möglichkeit, auf latexfreie Artikel zurückzugreifen.
Hormonelle Störungen können nach weiterführender Diagnostik sowohl lokal als auch systemisch durch synthetische Östrogene therapiert werden. Gegebenenfalls wird Ihr Frauenarzt Ihre hormonellen Kontrazeptiva auf für Sie besser verträgliche Präparate umstellen.

Vorbeugung (Prävention)

Vier von fünf Frauen sind im Laufe Ihres Lebens von einer Vaginalinfektion betroffen. Um dies jedoch möglichst zu umgehen, finden Sie im Folgenden einige Hinweise:

  • Vermeiden Sie eine übertriebene Intimhygiene mit reizenden und parfümierten Kosmetika – oftmals reichen Wasser und gängige Duschlotionen oder Seife völlig aus.
  • Enge, synthetische Kleidung verhindert eine ausreichende Luftzirkulation. Auch nasse Badekleidung kann ein feucht-warmes Milieu herbeiführen, das Pilzen und Bakterien optimale Wachstumsbedingungen liefert.
  • Achten Sie bei Anwendung der Pille auf eine regelmäßige Einnahme ohne große zeitliche Schwankungen.
  • Im Darm herrscht die dichteste bakterielle Besiedlung des menschlichen Körpers. Viele Menschen tragen dort auch kleine unbemerkte Pilzansammlungen mit sich. Achten Sie daher bei der Benutzung des Toilettenpapiers nach dem Stuhlgang auf eine Reinigung in richtiger Richtung: Von vorne nach hinten. So verhindern Sie ein ungewolltes Übertragen möglicher Keime vom Darmausgang gen Scheide oder Harnröhre.
  • Wechseln Sie bei einer akuten Pilz- oder Bakterieninfektion täglich Handtücher, Waschlappen und Unterwäsche und waschen Sie mit Vollwaschmittel bei mindestens 60°C.

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